Extrem- und Funsportarten

Trendsportart Jugger

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Auch auf neue Trendsportarten lohnt es sich, ein Auge zu haben: wie z. B. auf Jugger.

Sie mögen Rugby, haben aber Angst vor dem intensiven Körperkontakt? Sie interessieren sich für Fechten, finden aber Degen und Florett langweilig? Ritterspiele faszinieren Sie? Dann wird es Zeit,die Trendsportart Jugger auszuprobieren!

Unverhofft kommt oft. Zufällig wurde ich letztes Wochenende Zeuge einer jungen Sportart, die für Viele hierzulande noch unbekannt sein dürfte. Dabei ist Deutschland das Heimatland des Jugger. Was im ersten Moment seltsam aussieht, sollte jedoch nicht vorschnell als jugendlicher Unsinn abgetan werden. Es handelt sich um eine sehr faire und anspruchsvolle Sportart, die sich durch die Vorurteile in die Öffentlichkeit kämpft.

 

Geschichte

Die Idee zu dieser Sportart basiert auf einem australischen Spielfilm aus dem Jahre 1989. In "Die Jugger – Kampf der Besten" spielen die Menschen einer Endzeitwelt in einem brutalen Mix aus Gladiatorenkampf und Rugby um ihren Lebensunterhalt.

Gänzlich unbrutal führten Rollenspiel-Liebhaber die ersten Wettkämpfe 1993 in Deutschland bei verschiedenen Rollenspiel-Events und Messen durch. Diese Vorform des heutigen Jugger entwickelte sich durch Ausprobieren und Austausch der Rollenspieler stetig weiter. Losgelöst vom Rollenspiel-Backround fand 1995 in Hamburg ein erstes Turnier und drei Jahre später in Berlin die erste Deutsche Meisterschaft statt. 2003 kam es zur Gründung der deutschen Juggerliga und seit 2006 ist Jugger als offizielle Sportart anerkannt.

 

Spielfeld, Spielgeräte und Spieler

Eine Mannschaft besteht beim Jugger aus 5 Feldspielern, die ebenfalls Jugger heißen, und 3 Auswechselspielern. Ein Feldspieler ist der Läufer, ein weiterer der sogenannte Kettenmann, alle weiteren nennt man Pompfer.

Die Bekleidung der Teams ist frei wählbar. Endzeit- oder Rollenspielkostüme sind keine Seltenheit, allerdings auch kein Muss. Um mehr Anerkennung für ihren Sport zu erlangen und mit steigendem Ehrgeiz die Turniere betreffend, gehen viele Teams inzwischen zu einer funktionellen Bekleidung über.

Der Läufer ist unbewaffnet. Nur er darf den Spielball, hier Jugg genannt, aufheben und tragen. Treffen die beiden Läufer aufeinander, ist es ihnen erlaubt miteinander zu ringen. Es gelten die griechisch-römischen Regeln. Der Kettenmann ist mit einer langen, gepolsterten Kette bewaffnet und gewissermaßen der Fernkämpfer im Team, bzw. der Spieler mit der höchsten Reichweite. Die übrigen Pompfer sind mit gleichnamigen Pompfen bewaffnet, welche mittelalterlichen Waffen nachempfunden sind – allerdings selbstverständlich aus Plastik und Schaumstoff. Stäbe, Kurz- und Langschwerte sind hier ebenso wie Schilder vertreten.

Das Spielfeld ist ein langgezogenes Achteck, das an der längsten Stelle 40 Meter und an der Breitesten 20 Meter misst. Neben dem Mittelpunkt (der Startposition des Juggs) gibt es für jede Mannschaft jeweils ein Mal am Ende des Spielfelds. Dieses Mal ist eine aus Schaumstoff hergestellte Vorrichtung, in die der Jugg zum Erzielen eines Punktes von den Läufern gelegt werden muss. Es befindet sich 2 Meter von der Grundlinie entfernt.

 

Regeln und Spielablauf

Ein Spiel besteht aus zwei Halbzeiten je 150 Sekunden. Anstelle der normalen Zeitrechnung wird hier in Steinen der Fortschritt angegeben. Ein Stein entspricht 1,5 Sekunden. Dies soll die genormte Zeitdauer dafür sein, einen Stein aufzuheben und zu werfen. Die „Steine“ werden im Spiel mittels einer Trommel angezeigt. Wie beim Eishockey wird die Zeit bei jeder Unterbrechung angehalten, so dass sich die 2,5 Minuten je Halbzeit deutlich verlängern.

Die Mannschaften stehen sich zu Beginn und nach jedem erzielten Punkt an den Grundlinien gegenüber. Nach der Freigabe des Spiels durch den Schiedsrichter, versuchen die Spieler durch einen Treffer das gegnerische Team soweit auszuschalten, dass der Läufer den Jugg aufheben und einen Punkt erzielen kann. Getroffene Spieler müssen sich für 5 Steine bei einem Pompfen-Treffer und 8 Steine bei einem Ketten-Treffer hinknien. Als Trefferzone gilt der gesamte Körper mit Ausnahme des Kopfes inklusive Hals und der Hände. Letztere zählen beim Kettenmann und Läufer ebenfalls zur Trefferzone. Wer nach Ablauf der Zeit die meisten Punkte herausspielen konnte gewinnt.

Mehr Informationen über Ausnahmeregeln und weitere Details erfahren Sie auf der offiziellen Webseite.

 

Organisation

Wie bereits Eingangs erwähnt findet neben den deutschlandweiten Fun-Turnieren auch alljährlich eine Meisterschaft statt. Auch bei dieser bestehen die Spieltage aus Liga-Turnieren. Dies ist nicht nur der verhältnismäßig kurzen Spieldauer geschuldet, sondern auch der Tatsache, dass Jugger ein junger Sport mit bisher noch wenigen festen Teams ist. Daher müssen teilweise länger Fahrten in Kauf genommen werden. Interessenten finden jedoch in fast jeder Region aufkeimende Vereine und Mannschaften, bei denen in die Sportart reingeschnuppert werden kann. Inzwischen gibt es bereits Nachahmer im Ausland – in Australien, Spanien und Irland.

 

Fazit

Was im ersten Moment wie ein Spiel für Kinder und Junggebliebene aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinschauen als ernstzunehmende und anstrengende Sportart. Der Läufer muss nicht nur schnell, sondern auch wendig sein und sich darüber hinaus im Ringen behaupten. Seine Beschützer benötigen das koordinative Geschick moderner Fechter. Taktik und Teamplay sind unverzichtbar, Verletzungen fast ausgeschlossen. Insgesamt beeindruckt das überragende Fairplay, welches den Schiedsrichter in einem positiven Sinne zum Statisten degradiert. Bleibt zu hoffen, dass auch mit steigendem Interesse und bedeutenderen Wettkampfcharakter dieser Grundgedanke erhalten bleibt.

 

Marcel Kremer

 

Quellenangaben:

1. www.jugger.de

2. http://www.jugger.org

3. http://de.wikipedia.org/wiki/Jugger

4. Wickenhäuser. Rubben: Juggern statt Prügeln: Der Trendsport für Aggressionsabbau und soziales Lernen, 2006.

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