Trendsportart

Paintball als Team- und Funsportart

+
Paintball gilt als Geheimtipp für Teambildungs- und Managementseminare.

Paintball hat oftmals in den Medien einen schlechten Ruf. Zu unrecht, wie Sportexperte Marcel Kremer findet. Lesen Sie, warum jeder diesen Sport einmal ausprobiert haben sollte.

Ein Schweißtropfen rinnt über meine Stirn in Richtung Augen. Doch dank der dicken Schutzbrille kann ich ihn nicht wegwischen. Das Herz pumpt Blut mit 180 Schlägen in der Minute durch meinen Körper. Ich presse mich noch enger an den kleinen Bretterzaun. Bin ich entdeckt worden oder ist meine Position noch sicher? Kurz das Outfit begutachten. Keinerlei Spuren von Farbe. Gut. Ein letztes Stoßgebet und hoffen, dass meine Ballschleuder keine unerwarteten Ladehemmung hat. Ich springe auf und renne in geduckter Haltung auf das nächste Versteck zu. Im Lauf gebe ich eine kurze Salve ab und zwinge einen Gegenspieler, den Kopf einzuziehen. Checkpoint erreicht, aber Position verraten. Das könnte sich rächen. Der Sprint war kurz, aber anstrengend. Mein Visier beschlägt und mindert die Sicht. Höchste Zeit nach verbleibenden Teammitgliedern Ausschau zu halten. An der Kommunikation müssen wir dringend noch arbeiten, aber völlig außer Puste fehlt die Luft zum Schreien. Also bleibt es diesmal eine Einzelleistung. Auf mich allein gestellt, gilt es die Fahne zu erobern. Ruhm winkt! Unter dem tosenden Applaus und Anfeuerungsrufen der Menge rappel ich mich auf und … *Plopp*

Ein großer, roter Farbklecks ziert meine rechte Schulter. Aus und vorbei, ich bin raus. Markierer sichern, die Hand auf den Kopf legen und zügig vom Feld gehen. Die jubelnde Menge entpuppt sich als der restliche Haufen meiner Mitstreiter, die vor mir das Zeitliche gesegnet hat. Breites Grinsen, Schulterklopfen und Nachbesprechung. Bei einer Dose Rockstar und einem frisch gegrillten Würstchen im Brotmantel werden die Fehler analysiert. Für die nächste Runde haben wir uns eine neue Taktik überlegt. Vielleicht gehen wir dann als Sieger vom Platz.

 

Dieser kleine Erlebnisbericht meiner ersten Paintball-Erfahrungen vor 5 Jahren dient als Einstieg in diese Extrem- und Funsportart. In der Presse gerne als Kriegsspiel verschrien, haben wir es in Wirklichkeit mit einer modernen Teamsportart für Erwachsene zu tun, die höchste körperliche Fitness voraussetzt. Einzelgänger gehen hier gnadenlos unter und ohne ausgefeilten Plan hat hier Keiner eine Chance. Aus diesem Grund gilt diese Sportart auch als Geheimtipp für Teambildungs- und Managementseminare.

 

Geschichte

Die Idee kam einigen Cowboys in den USA, als sie mittels Farbpistole ihre Kühe markierten. Statt auf die Tiere begannen sie, sich selbst zu beschießen - soweit der Mythos.

Die ersten belegbaren Fakten stammen aus dem Jahr 1977. Der Börsenmakler Hayes Noel und der Schriftsteller Charles Gaines entwickelten die Grundidee, deren Umsetzung jedoch bis zum Jahr 1981 an den technischen Möglichkeiten scheiterte. Zusammen mit dem Sportartikelverkäufer Bob Gurnsey gelang es den beiden, in diesem Jahr das erste Spiel zu organisieren.

Von da an trat Paintball – vorerst unter diversen Namen und Bezeichnungen – seinen Siegeszug rund um den Globus an. Was in Deutschland noch als Trendsportart bezeichnet werden kann, wird in den Vereingten Staaten längst im Fernsehen übertragen. Führende Paintballer wie Maximus Lundqvist sind landesweit bekannte Sportler.

 

Ausrüstung

Paintball ist nicht die billigste Sportart, für die Ausrüstung muss man viel Geld ausgeben. Das macht einen nicht besser, hat aber seinen eigenen Reiz. So lässt sich etwa lästiges Gewicht einsparen, die Farbgestaltung individualisieren oder der eigene Schutz ausbauen. Am Anfang reicht aber auch die Leihausrüstung allemal.

Hier die wichtigsten Utensilien:

 

Markierer

Die „Waffe“ bzw. das Spielgerät. In Deutschland ist die Benutzung erst ab dem 18. Lebensjahr gestattet. Er besteht zusätzlich aus einem Hopper (ein Behälter für die Munition, genannt Paint) und einer Druckluftflasche. Mittels Druckluft (seltener auch Gas) wird die Paint aus dem Markierer geschleudert. Man unterscheidet bei der Technik zwischen Spooler und Rammer. Vor und nach dem Spiel ist der Markierer mit einer Laufsocke zu bedecken, welche verhindert, dass unabsichtlich Geschosse durch die Gegend fliegen. Des Weiteren sind moderne Markierer mit einem Computerboard ausgerüstet. Hier kann man zwischen Einzelschuss, Semi-Automatik und Automatik wählen. Bei den meisten Spielen ist jedoch nur Einzelschuss erlaubt, weshalb das sogenannte Triggern (Betätigen des Abzugs mit Zeige- und Mittelfinger) mit eine der Königsdisziplinen ist. Wer es lieber klassisch mag, kann auch mit einer „Pumpe“ arbeiten. Hierbei muss der Spieler nach jedem Schuss selbstständig nachladen.

 

Schutz

Statistisch verletzen sich beim Paintball deutlich weniger Spieler als beispielsweise beim Fußball, trotzdem lauern blaue Flecken überall. Aus diesem Grund ist eine Maske zum Schutz der Augen Pflicht. Knie-, Ellbogen-, Unterarm- und Brustschutz kann, muss aber nicht benutzt werden. Bei Handschuhen ist zu beachten, dass die Finger frei sein sollten, um vernünftig triggern zu können. Festes Schuhwerk sollte ebenfalls zur Grundausstattung gehören. Manche Spieler verwenden Sprint-Schuhe für besseren Grip und einen schnellen Antritt.

 

Paint

Als Munition dienen Gelatine-Kugeln, gefüllt mit Lebensmittelfarbe. Auf die Farbe Rot wird dabei bewusst verzichtet, um etwaige Verbindung zu Blut auszuschließen. Paintballs unterscheiden sich in ihrer Konsistenz und ihrem Durchmesser, je nach Markierer und Spielvariante. Da professionelle Spieler pro Match mehrere 100 verbrauchen, wird Nachschub in den dafür vorgesehenen Pots am Gürtel mitgeführt.

 

Spielablauf

Ziel des Spiel ist es, die gegnerische Fahne zu erobern. Auf gegenüberliegenden Seiten starten beide Mannschaften auf Signal des Schiedsrichters und suchen meistens zuerst eine Deckung. Mittels Absprache und Taktik wird jetzt versucht, den Gegner in seiner Deckung festzunageln oder zu markieren, während zeitgleich das eigene Team Richtung Fahne vorrückt. Wer getroffen wird, muss dies anzeigen und das Spielfeld verlassen.

 

Varianten

Es gibt unzählige Varianten. Im Turniersport werden aufblasbare Hindernisse auf einem relativ kleinen Feld aufgestellt und dienen als Deckung. Dies nennt sich SubAir und wird mit 5 Spielern pro Team durchgeführt. Unter dem Begriff Woodland versteht man deutlich größere Areale mit natürlicher Beschaffenheit und bis zu hunderten Teilnehmern. Hier ist auch das Szenario-Spiel zuhause, welches das Spielfeld durch ein bestimmtes Thema ergänzt. Paintball-Felder müssen eingezäunt und genehmigt sein. Nicht erlaubt ist das Spielen in einem Wald oder auf öffentlichen Felder und Wiesen.

 

Interesse geweckt? Dann freuen Sie sich auf unser Interview mit einem der führenden Paintballer Deutschlands. Er verrät Tipps und Tricks für Training und Anfänger!

 

Marcel Kremer

Quellenangabe:

1. Maiberg, Daniel: Paintball – Das Buch, 2006.

2. http://www.pb-gophers.de

3. http://playpaintball.de

Auch interessant

Kommentare