Patrick Wrobel und Arne Petry im Paintball-Experteninterview

Experteninterview: Paintball

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2 Profis über Leben und Training mit Paintball

Unser Artikel zum Thema "Paintball" hat Ihr Interesse geweckt? Dann versäumen Sie nicht unser Interview mit zwei der bekanntesten Männer in der deutschen Paintball-Szene. Wir haben uns die Chance nicht nehmen lassen und zwei "alte Hasen" zum Thema Training und Organisation ausgefragt.

Patrick Wrobel

Er ist 4-facher Deutscher Meister und Teamcaptain vom deutschen Rekordmeister "Frankfurt Syndicate", spielt seit Jahren in der Champions League und hat das 1. professionelle Trainings- und Schulungssystem für den Paintballsport in Deutschland etabliert.

 

Arne Petry

28 Jahre jung, Bachelor of Arts in Media Management, Geschäftsführender Gesellschafter der DPL GmbH (Trägder der Deutschen Paintball Liga) und Straight-Sports GmbH (Träger von PlayPaintball.de und Kunstrasen-guenstiger.de).

trainingsworld.com: Hallo ihr beiden und vielen Dank, dass ihr euch für ein Interview zur Verfügung gestellt habt! Patrick und sein Team Frankfurt Syndicate sind jedem Paintballer ein Begriff. Wie sieht es bei dir aus, Arne, bist du selbst auch aktiv?

Arne Petry: Paintball als Turniersport habe ich vor 5 Jahren in einer Saison in der Bezirksliga gespielt, bevor ich als Ligakoordinator in die Organisation eingestiegen bin. Seitdem spiele ich eher gelegentlich bei Trainings unserer Teams oder mit Mitarbeitern unseres Parks.

 

trainingsworld.com: Was macht einen guten Paintballer aus? Welche Fähigkeiten sollte er mitbringen?

Arne Petry: Paintball fordert und fördert viele Eigenschaften: das Geschick sowie das strategische Denken des Schachspielers, die Treffsicherheit eines Völkerballspielers und die Antrittsstärke eines Fußballers.

Da diese Eigenschaften meist gleichzeitig und innerhalb eines kurzen Zeitfensters abgerufen werden, sollte ein guter Paintballer darüber hinaus kombinatorische Fähigkeiten besitzen. Fortgeschrittene Turnierspieler haben das Fieldlayout bildlich im Kopf und können auch noch während des Spiels den vorher trainierten "Gameplan" (Festlegung von Laufwegen und Schusswinkeln) abweichenden Spielsituationen anpassen.

Anders als bei vielen Mannschaftssportarten ist bei der einzigen Team-Extremsportart Paintball weit mehr Teamfähigkeit und Kommunikation gefragt. Während der wenigen Minuten, die ein Match dauert, kommuniziert der Trainer mit den Spielern und die Spieler untereinander mit Codewörtern. Dies verkürzt einerseits die Kommunikation und lässt anderseits die Gegenspieler im Unklaren. Dabei haben alle 46 Deckungen ein eindeutiges Codewort. In der Regel ruft man sich Positionen gegnerischer Spieler an, sowie die Anzahl markierter Spieler und die Anzahl eigener ausgeschiedener Spieler.

 

trainingsworld.com: Welche ergänzenden Übungen sollte man ausführen? (Zur Verbesserung der Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Konzentrationsfähigkeit, Reaktionsgeschwindigkeit usw.)

Patrick Wrobel: Wir machen neben unserem klassischen Paintball Techniktraining auch diverse Übungen zur Reaktionsgeschwindigkeit und Schnelligkeit. Es sind viele klassiche plyometrische Übungen, wie z. B. auf einen Kasten springen, die Agility-Leiter etc. Klassische Übungen wie Reißen, Stoßen etc. trainieren wir aber auch. Intervallsprints mit 90-120 Sek. Pause sind für unsere Ausdauer sehr wichtig (im Paintball sind zwischen jedem Punkt 120 Sek. Pause, währenddessen kann man Spieler austauschen und eine neue Taktik festlegen. Nach 5 Punkten hat man bereits ein Spiel für sich entschieden.) Außerdem legen wir besonderen Wert auf eine sehr starke Core-/Rumpfmuskukaltur – generell trainieren wir meist nur im Kraftausdauerbereich. Die Coremuskulatur ist für eine besondere Paintball Schusstechnik sehr wichtig.

Paintball ist kein Kontaktsport, deshalb sind z. B. kleine und schmale Spieler nicht im körperlichen Nachteil, sondern sofern sie schnell sind, sogar eher im Vorteil, da sie weniger Trefferfläche bieten.

Die Hauptmuskelgruppen, die wir brauchen, sind eine sehr starke seitliche Bauchmuskulatur und schnelle Beine. Die Bauchmuskeln brauchen wir für eine besondere Schusstechnik, bei der möglichst wenig Trefferfläche für den Gegner gezeigt werden soll. Und den schnellen Antritt brauchen wir, da unsere Sprint-Distanzen während dem Spiel meist nie weiter als 7-10 m von Deckung zu Deckung sind.

 

trainingsworld.com: Wie sieht eine typische Trainingseinheit einer "professionellen" Paintball-Mannschaft aus?

Patrick Wrobel: Anders als im Profisport, wo die Spieler nur durch das Ausüben ihrer Sportart ihren Lebensunterhalt bestreiten können, ist dies bei Paintball leider nicht der Fall. Wir trainieren deshalb 2- bis 3-mal die Woche klassische Paintballtechniken. Meistens sind das 6 Übungen mit vielen Wiederholungen, z. B. wird der sogenannte Breakout (Startphase des Spiels) trainiert. Zusätzlich dazu kommen 3-mal die Woche die oben genannten Kräftigungsübungen in einem Zirkeltraining oder als Supersätze.

 

trainingsworld.com: Wie ist Paintball als Mannschaftssportart in Deutschland organisiert? Welche Möglichkeiten haben Neueinsteiger?

Arne Petry: Die Turnier- und Mannschaftssportart Paintball organisiert sich in Deutschland zum größten Teil in der Deutschen Paintball Liga (PDF) [www.dpl-online.de]. Diese erfreut sich seit ihrer Gründung an einem stetigen Wachstum und umfasst mittlerweile über 2.500 Spieler und 350 Teams. Die Liga umfasst 6 Spielklassen von der Bezirksliga bis zur 1. Bundesliga und ist Mitglied in der United Paintball Federation (UPBF) und der European Paintball Federation (EPBF). Wie im Fußball spielen die Mannschaften um Auf- und Abstieg, sowie um Qualifikationsplätze für den DPL-Pokal. Die besten deutschen Mannschaften treten darüber hinaus in der Champions League auf internationaler Ebene an. Die Herren- und Damennationalmannschaft, sowie die U19 Nationalmannschaft treten jährlich im Wettbewerb um die Europameisterschaft an.

Für Neueinsteiger ist der ideale Einstieg die Bezirksliga der Deutschen Paintball Liga. Diese ist durch ein Spielerpass-System vor professionellen Spielern geschützt. Hier treten die Teams auf dem Spielfeld noch in 3-Mann-Mannschaften gegeneinander an. In allen höheren Spielklassen wird 5 gegen 5 gespielt. In der Bezirksliga werden die Spieltage vor dem ersten Spieltag vom Hauptschiedsrichter auf dem sogenannten "Teamcaptains-Meeting" nochmals erklärt und Neueinsteiger unterstützt.

 

trainingsworld.com: Welches Equipment braucht ein Neueinsteiger? Welche Kosten kommen auf einen zu?

Patrick Wrobel: Ein Neueinsteiger braucht Equipment im Wert von ca. 600 €. Ein Profiset an Equipment kostet nachher ca. 2000 €. Der Einsteiger benötigt zunächst folgende 4 Sachen:

- Markierer

- Paintball Hopper elektrisch zum schnelleren Nachladen der Paintballs

- Druckluft-Flasche als Treibmittel

- Maske zum Schutz der Augen/Gesicht am besten mit Thermal Linse.

Man kann auch günstiger sein erstes Set kaufen, jedoch wird man damit schnell merken, dass man damit an seine Grenzen stoßen wird.

 

trainingsworld.com: Vielen Dank für das interessante und aufschlussreiche Interview. Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg und hoffen, dass wir in Zukunft mehr Paintball in den deutschen Medien wiederfinden werden!

 

Marcel Kremer

Weiterführende Links

1. www.playpaintball.de

2. http://www.maxs-sport.com/

3. http://www.frankfurt-syndicate.de/

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