Hockey-Olympiasieger Christian Blunck im Interview

„Hallen- und Feldhockey sind zwei völlig unterschiedliche Sportarten“

Wir sprachen mit Christian „Büdi“ Blunck über seine Tätigkeit als TV-Kommentator, die Situation des Hockeysports in Deutschland und die bevor stehende Deutsche Meisterschaft im Hallenhockey am kommenden Wochenende.

trainingsworld im Interview mit Christian Blunck anlässlich der Deutschen Meisterschaft im Hallenhockey

Bei den Olympischen Sommerspielen in Barcelona holte Christian „Büdi“ Blunck die Goldmedaille im Hockey. Heute ist der Hamburger Sportlicher Leiter beim Harvestehuder THC und Kommentator beim Sportsender sportdigital.

trainingsworld.com:
1992 haben Sie in Barcelona die Goldmedaille im Hockey gewonnen, jetzt sind Sie Fußball-Kommentator beim Sportsender sportdigital. Wie kommt es zu diesem Werdegang?
Christian Blunck: Letztendlich habe ich schon relativ früh in den 90er Jahren meine ersten Gehversuche beim Kommentieren gemacht, als ich Hockey-Experte beim DSF und danach bei Eurosport war. Über die Hockeyschiene hat sich dann meine weitere Kommentatoren-Laufbahn entwickelt. Zum Fußball bin ich damals über Arena gekommen, wo ich meine ersten Spiele in der 1. und 2. Bundesliga kommentiert habe, insgesamt waren das rund 60 Spiele pro Saison. Nach der Arena-Zeit bin ich beim Fußball geblieben und irgendwann kam sportdigital – ein Hamburger Sender, was für mich natürlich optimal ist, da ich quasi um die Ecke wohne. Da fühle ich mich sehr wohl und bin regelmäßig im Bereich internationaler Fußball im Einsatz.

trainingsworld.com: Wie sieht eine typische Woche aus, wenn Sie als TV-Kommentator im Einsatz sind? Wie bereiten Sie sich auf die Sendungen vor?
Christian Blunck: Die Vorbereitung ist sehr intensiv, die Wochenenden sind eigentlich komplett mit Fußball gebucht. Gerade bei sportdigital bereitet man sich zusätzlich auch schon Anfang der Woche intensiv vor, da viele Spiele unter der Woche stattfinden – wie zum Beispiel die Copa Libertadores in Südamerika oder Länderspiele. Man ist da eigentlich ständig mit Recherchen beschäftigt. Neben den Live-Spielen bin ich bei sportdigital auch bei Magazinen wie Highlight-Sendungen aus den verschiedenen Ligen im Einsatz. Es ist jeden Tag reichlich zu tun.

Man sollte Dinge nicht dramatisieren

trainingsworld.com: Zuletzt war bei einer Partie aus der Copa Libertadores, die Sie kommentiert haben, eine heikle Situation, bei der durch vorstürmende Zuschauermassen im Stadion fast Menschen zu Schaden gekommen wären. Wie schafft man es, in solchen Situationen als Kommentator ruhig und souverän zu bleiben?

Christian Blunck: Ich denke, das ist in erster Linie Bauchgefühl. Da muss jeder für sich entscheiden, wie er solche Situationen emotional händelt. Ich finde, gerade bei heiklen Situationen außerhalb des Spielfeldes sollte man versuchen, sachlich zu bleiben. Meiner Ansicht nach sollte man die Dinge nicht zu sehr dramatisieren, da hat aber sicherlich jeder seine eigenen Vorstellungen. Die Situation bei der Copa Libertadores zuletzt war wirklich heftig, da hätte viel passieren können. Andererseits sind solche Vorfälle im südamerikanischen Fußball fast normal.

trainingsworld.com: Schwenk zum Hockey: In der öffentlichen Wahrnehmung steht der Hockeysport trotz der Erfolge der Nationalmannschaft häufig im Schatten anderer Sportarten. Woran liegt das?

Christian Blunck: Zunächst einmal ist Hockey nicht die telegenste Sportart, schon allein aufgrund des komplexen Regelwerks. Selbst für den Hockeyfan ist manchmal nicht zu verstehen, warum manche Entscheidungen so oder so getroffen werden. Hinzu kommt, dass der Ball relativ klein ist. Das ist ähnlich wie beim Eishockey, da kann man den Puck im Fernsehen auch manchmal schwer erkennen. Hockey ist außerdem eine wahnsinnig schnelle Sportart. Das alles bedeutet, dass man für eine gute Hockey-Übertragung im TV acht oder neun Kameras und einen guten Regisseur benötigt, der mit Zeitlupen diesen Sport präsentiert. Das alles ist in der Produktion sehr teuer. Insofern bekommt man das normale Geschehen in der Bundesliga auch nicht produziert – das geht dann nur bei Olympia, wo der Hockeysport mit tollen Übertragungen immer sehr im Focus steht. Darüber hinaus ist das Interesse ganz einfach nicht in der Form da, die nötig wäre: In der Bundesliga hat man bei den Spielen bestenfalls rund 500 Zuschauer. Eine breite TV-Präsenz ist daher meist nur bei großen Events und großen Meisterschaften wie WMs und EMs realisierbar – mehr ist darüber hinaus kaum möglich, da die Produktion einfach zu teuer ist.

Hallenhockey ist viel schneller als Feldhockey

trainingsworld.com: Am 9. und 10. Februar steigt in Berlin die deutsche Hallenhockey-Meisterschaft. Was unterscheidet Hallenhockey vom Feldhockey?

Christian Blunck: Hallen- und Feldhockey sind im Grunde genommen zwei völlig unterschiedliche Sportarten. Durch den Bodenbelag ist Hallenhockey viel schneller als Feldhockey. Mit der Hallenatmosphäre und der lokalen Präsenz mit zwei Herrenmannschaften und einer Damenmannschaft aus Berlin kann ich mir vorstellen, dass die Max-Schmeling-Halle mit 4.000 bis 5.000 Zuschauern ziemlich voll sein wird. Das wird ein tolles Event für alle teilnehmenden Teams. Aber zurück zur Ausgangsfrage: Das Training und die athletischen Voraussetzungen sind bei beiden Sportarten völlig unterschiedlich.

trainingsworld.com: Was sind typische Trainingsmethoden für das Spiel auf dem Feld und in der Halle?

Christian Blunck: Im Hallentraining wird sehr viel mehr gespielt und der Wettkampf geübt, weil man so taktische Situationen am besten einstudieren kann. Beim Feldhockey ist es sehr viel schwieriger, das Spiel auf dem großen Feld im Training nachzustellen. In der Halle kann man das dagegen sehr viel besser machen. Man spielt immer 6 gegen 6 mit zwei gleichwertigen Teams, mit denen man taktische Dinge ausprobieren kann – wie verschiedene Formen der Raum- und Manndeckung oder Abschlags- und Angriffssituationen. Das Hallentraining ist sehr viel weniger auf einzelne Übungen fokussiert als auf das komplette Spiel. Das ist eigentlich der Hauptunterschied zwischen Feld- und Hallenhockey.

Wichtig ist, in Bruchteilen von Sekunden die richtige Entscheidung zu treffen

trainingsworld.com: Was sind die wichtigsten Eigenschaften, die ein guter Hockeyspieler haben sollte?

Christian Blunck: Man sollte natürlich zunächst die nötigen technischen und athletischen Voraussetzungen haben. Das Wichtigste ist aber – und das ist vermutlich sportartübergreifend – dass man Situationen schnell erkennen und genauso schnell handeln kann. In Bruchteilen von Sekunden die richtige Entscheidung zu treffen, ist der Hauptunterschied, der einen guten von einem sehr guten Hockeyspieler unterscheidet. Dazu sollte man natürlich den Blick für die Situation und die entsprechende Übersicht haben, im richtigen Moment den richtigen Pass zu spielen. Das sind die wesentlichen Punkte, die einen Top-Spieler ausmachen.

trainingsworld.com: Wie ist Ihr Tipp für die Deutsche Meisterschaft jetzt am Wochenende in Berlin?

Christian Blunck: Da mein Verein, der Harvestehuder THC, an der Meisterschaft teilnimmt, bin ich natürlich subjektiv, muss ich gestehen. Insofern setze ich natürlich alles auf den HTHC – auch wenn Tobias Hauke, unser einziger Top-Nationalspieler, aufgrund einer Innenbandverletzung im Knie zu 90 % ausfallen wird. Dennoch glaube ich, dass die Mannschaft trotzdem in der Lage ist, 2 Top-Spiele hinzulegen. Bei den Damen tippe ich auf Lokalmatador Berliner HC.

Ich wünsche mir eine größere TV-Präsenz für den Hockeysport 

trainingsworld.com: Was würden Sie sich für den Hockeysport in Deutschland wünschen?

Christian Blunck: Ich würde mir wünschen, dass der Hockeysport eine noch größere Präsenz im TV bekommen würde. Außerdem wäre es schön, wenn die Vereine selbst noch mehr über den Tellerrand hinausblicken und mehr als nur ihren eigenen Verein sehen würden. Ich denke, wir müssen einen Eventcharakter rund um die Bundesligaspiele kreieren. Es würde dem deutschen Hockey insgesamt sehr viel mehr helfen, wenn man zum Beispiel in einer Stadt wie Hamburg zwei bis drei Spiele an einem Wochenende austragen und mit einem großen Event verbinden würde. Die Clubs sollten nicht nur in ihrem eigenen Saft kochen und sich ein bisschen mehr öffnen. Wenn die Vereine ein wenig mehr aus sich herausgehen würden, würde das den Sport sicherlich weiterbringen.

Rubriklistenbild: © Wilfried Witters

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