Bodybuilding

Posing - Die Anwendung

Im letzten Teil der Posingserie wurde beschrieben, was Posing eigentlich ist. Weiterhin sind wir auf die Zielsetzungen eingegangen, die Athleten mit einem Posingtraining verbinden. Nun soll es konkret darum gehen, wie man Posing sinnvoll mit dem eigenen Training kombinieren kann.

Tipps für das eigene Posing: Vorab das Gesicht

Posing: Schauen Sie entspannt!

Sie sollten lernen, Ihr Gesicht beim Posing zu kontrollieren – und zwar sowohl im Studio als auch beim Fotoshooting sowie im Wettkampf. Es gibt keinen Grund, das Gesicht zu einer Fratze zu verziehen! Den Mund können Sie noch bei der kommenden zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchung lange genug offen halten – darauf hinzutrainieren ist in der Regel nicht notwendig. Posing soll ästhetisch sein. Wenn Sie sich gute Posingbilder ansehen, werden Sie sich häufig die Frage stellen, ob derjenige wohl die Muskeln anspannt, oder nicht. Klar spannt derjenige die Muskulatur an – auf dem Foto erscheint es jedoch durch das freundliche, entspannte Gesicht so, als ob der Athlet oder die Athletin völlig entspannt steht („Entspannt stehen“ ist ebenfalls eine der [Grund-]Posingpositionen im Bodybuilding), während die Muskulatur tatsächlich sehr hart angespannt wird.

Indem Sie eine Pose mit einem angemessenen Lächeln präsentieren, tun Sie zudem dem Bodybuilding an sich etwas Gutes, da weniger Vorlagen für diverse Fernsehsender entstehen, die Bodybuilder als primitiv und dumm darzustellen.

 

Die Posen

Es ist empfehlenswert, sich direkt im Internet oder noch besser aus älteren Bodybuildingbüchern die sogenannten Pflichtposen (Doppelbizeps vorne, Most muscular, Side Chest etc.) herauszusuchen und diese zu erlernen. Hilfe ist hierbei nicht unbedingt notwendig, besonders dann nicht, wenn die Bühne nicht das Trainingsziel und ein hohes Maß an Körpergefühl vorhanden ist. Oft sind die Beschreibungen so ausführlich, dass sogar feine Details durch Beobachten im Spiegel erlernbar sind. Vorteil dieser standardisierten Posen ist, dass Sie innerhalb Ihrer Entwicklung einen vernünftigen Vergleich haben können, wenn Sie z. B. in regelmäßigen Abständen Fotos von sich anfertigen lassen. Sie brauchen dann nicht zu überlegen, wie Sie wohl beim letzten Mal die Pose durchgeführt haben. Können Sie jedoch eine Pose nicht nachvollziehen (z. B. die Vakuumpose oder "Entspannt Stehen"), empfiehlt sich ein Besuch bei Athleten mit Wettkampf- bzw. Posingerfahrung, um die geforderte Position verwirklichen zu können. Wer Posing gerne in einer Gruppe lernen möchte, dem sei das regelmäßig in Vorbereitung auf die Deutsche Natural Bodybuilding Meisterschaft stattfindende, für Mitglieder der GNBF.eV zudem kostenlose, Posingseminar empfohlen.

Viele Athleten präsentieren ihre Form in Internetforen, um kompetenten Rat von Experten bezüglich der eigenen Körperentwicklung einzuholen. Ein häufig kontraproduktives Verfahren, denn auf kompetente Bewerter stößt man im Internet nur dann, wenn man sich längere Zeit mit einem Forum beschäftigt, ansonsten bleibt die Bewertung durch Mitglieder, die dem Bilderthreat-Ersteller zudem meist körperlich weit unterlegen sind, bei: „Da wäre mehr drin gewesen!“

 

Posing in der Therapie

Wenn Sie Posing nur als ergänzende Maßnahme im Rahmen der Trainingstherapie einsetzen, brauchen Sie natürlich nicht unbedingt die Pflichtposen. Hierbei geht es um das Anspannen der wiederherzustellenden Muskulatur. Spannen Sie die Muskeln vorsichtig an, ohne sich zu Beginn zu viel zuzumuten; das wird Ihre Trainierbarkeit langfristig effektiver steigern, als ein übermotiviertes Überlasten der geschwächten Strukturen. Es gilt: Schmerz ist der limitierende Faktor! Vernachlässigen Sie nicht die übrigen Rehabilitationsmaßnahmen.

 

Posing in und nach jedem Training

Spannen Sie Ihre Muskulatur nach jedem Satz für einige Sekunden an. Nähern Sie sich der Marke von 20 Sekunden. Führen Sie 1-2 Durchgänge nach jedem Satz aus, abhängig davon, nach welchem System Sie trainieren, d. h. wie viele Sätze Sie von einer Übung im Krafttraining durchführen. Auch im Anschluss an das eigentliche Training sind ca. 5 Minuten Posing für die zuvor trainierte Muskulatur sinnvoll.

 

Posing in der Wettkampfvorbereitung

In Vorbereitung auf einen Bodybuildingwettkampf ist es sinnvoll, das Posing langsam zu intensivieren. Unmittelbar vor einem Wettkampf kann es sinnvoll sein, 30-45 Minuten pro Tag Posingtraining durchzuführen. Häufigkeit und Dauer richten sich natürlich auch nach dem übrigen Training, der Anzahl an Cardioeinheiten, der individuellen Notwendigkeit und vor allem der eigenen regenerativen Kapazität. Wichtig ist es, die Übergänge zwischen den Posen ästhetisch zu gestalten und nicht zu schnell von einer in die nächste Pose zu wechseln.

Leider wird meiner Meinung nach oft zu wenig Wertung nach dem Posing ausgerichtet. Jeder, der Wettkämpfe besucht, hat wohl schon gesehen, wie zahlreiche Athleten die Posen nicht nur falsch, sondern gar regelwidrig durchführen und die Zeit bis zum Einnehmen der Pose ewig hinauszögern, ohne dass das sichtbare Wertungskonsequenzen nach sich zieht, auch wenn die übrigen Athleten auf der Bühne dadurch offensichtliche Nachteile erfahren. Dass die Posen korrekt sitzen, ist eher dann wichtig, wenn gleichwertige Athleten ausgerufen werden und es zum Pose-Down kommt.

 

Die Kür im Finale

Haben Sie es ins Finale eines Wettkampfes geschafft, dürfen Sie Ihre vorbereitete Kür vorführen. Die Kür dauert in etwa so lange wie ein Lied bzw. die ausgewählte Melodie, d. h. zwischen 45 und 150 Sekunden. Wählen Sie Posen, die Ihre Stärken betonen und bei denen Sie flüssige Übergänge gestalten können. Hilfreich ist es, sich Küren von guten Posern im Internet anzusehen und die eigene Kür im Spiegel zu betrachten, bzw. sich von Anderen dabei zusehen zu lassen. Das steigert nicht nur das Selbstbewusstsein, sondern zieht (wenn es sich um jemanden handelt, der Posingerfahrung besitzt) konstruktive Kritik nach sich. Gleiches gilt für das Aufnehmen mit einer Digitalkamera. Sitzt die Kür, sollten Sie sich nicht zu viele Gedanken um die Bewertung derselben machen. Stellen Sie sich vor, Sie wären einer der Kampfrichter und haben an diesem Tag die z. B. 5 Besten aus 15 unterschiedlichen Klassen posen sehen. Was bleibt davon noch im Gedächtnis außer extreme Außrutscher nach unten und oben?

 

Denis Tengler

 

Quellenangaben:

1. Posing: Sinnloses Gepose oder Wertvolles Trainingssupplement?

Rubriklistenbild: © Denis Tengler

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