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Michael Jordan – Der Virtuose unter den Basketballern

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Michael Jordan - zweifelsohne einer der besten Sportler aller Zeiten

Michael Jordan sagte 2009, als er in die Hall‐of‐Fame aufgenommen wurde: „Vielleicht werdet ihr mich eines Tages mit 50 Jahren in einem NBA‐Spiel sehen. Bitte lacht nicht. Man kann das nie voraussagen.“ Am 17. Februar war es soweit. Jordan feierte seinen 50. Geburtstag.

Leider gab es bisher noch keine Anzeichen über ein mögliches Comeback des einstigen Basketball‐Imperators, auch wenn selbst einige Basketballprofis ihm noch heute NBA‐Tauglichkeit attestieren. Unser Basketballexperte Ramy Azrak blickt auf eine einzigartige Basketballkarriere zurück, stellt das Mindset des Champions dar und erzählt von legendären Jordan‐Momenten.

 

Michael Jordan in Zahlen:

- NBA Championship (6-mal): 1991–1993, 1996–1998

- Basketball‐Olympiasieger: 1984, 1992

- NBA Most Valuable Player Award (5-mal): 1988, 1991, 1992, 1996, 1998

- NBA Finals MVP Award (6-mal): 1991–1993, 1996–1998

- All‐NBA‐First Team (10-mal): 1986–1993, 1996–1998

- NBA Defensive Player of the Year Award: 1988

- NBA All‐Defensive Team (9-mal): 1987–1993, 1996–1998

- NBA All‐Star Game MVP: 1988, 1996, 1998

- Mitglied der Naismith Memorial Basketball Hall of Fame: 2009

- Weltsportler des Jahres (L’Équipe) 1992

- NBA Scoring Titel (10-mal): 1987–1993, 1996–1998

- NBA Steals Leader (3-mal): 1988, 1990, 1993

- NBA All‐Star Game Teilnahmen (14-mal): 1985–1993, 1996–1998, 2002–2003

- NBA All‐Star Weekend Slam Dunk Contest Sieger (2-mal): 1987, 1988

- NBA Rookie of the Year Award: 1985

*Die Liste von Michael Jordans Rekorden und Auszeichnungen ist seitenlang. Aus redaktionellen Gründen haben wir hier nur die wichtigsten aufgezählt.

 

Der Weg in die NBA

Am 17. Februar 1963 kam Michael Jeffrey Jordan in Brooklyn, New York, zur Welt und wuchs in Wilmington, North Carolina, auf. Seine Leidenschaft für Basketball entwickelte Jordan sehr früh, als der damals 11‐Jährige zu Weihnachten einen Basketball geschenkt bekam. Fortan duellierten sich Michael und sein älterer Bruder Larry fast täglich im Vorgarten des elterlichen Hauses, wobei Michael wegen der Größenvorteile seines Bruders meistens verlor. Im Alter von 14 Jahren besuchte Jordan die Laney Highschool. In der 10. Klasse wollte der damals 178 cm lange Schüler unbedingt Mitglied des Schülerteams werden. Doch bei der Aufnahme ins Basketballteam scheiterte er vorerst. Für den Coach war Jordan nicht groß genug. Er entschied sich, den letzten Platz im Team an Leroy Smith zu vergeben, der größer als Jordan war, den er jedoch regelmäßig im 1‐gegen‐1 besiegte. Doch anstatt zu resignieren, war es erst Recht der Ansporn für Jordan: „Ich kann Versagen akzeptieren, keiner ist perfekt. Aber was ich nicht akzeptieren kann, ist, es nicht zu versuchen.“

In dieser Zeit wollte es Jordan erst recht wissen und so stand er täglich um 6:00 Uhr früh auf und trainierte bereits vor der Schule mit Clifton Herring, einem Coach, der im „kleinen“ Basketballer sowohl Talent als auch Begeisterung erkannte. Jordan trainierte diszipliniert. Er trainierte an seinem Dribbling, seinem Wurf und auch an seiner einzigartigen Sprungkraft, die ihm später als Nike‐Werbeikone den Spitznamen „air Jordan“ einbrachte. Durch das harte Training sollte sein großer Wunsch, einen Platz im Schülerteam zu erhalten, schließlich doch noch in Erfüllung gehen. Rückblickend unvorstellbar, dass der beste Basketballer aller Zeiten zu schlecht für die Schülermannschaft gewesen sein soll. Bei seiner „Acceptance Speech", der Ansprache für die Aufnahme in die Hall‐of‐Fame im Jahr 2009, konnte sich der Superstar einen Seitenhieb in Richtung Leroy Smith nicht verkneifen, zumal Jordan nach der 10. Klasse noch einen enormen Wachstumsschub bekam und heute 198 cm misst: „Er ist immer noch gleich groß und sein Spiel hat sich wahrscheinlich auch nicht verändert. Ich wollte dem Trainer, der Leroy statt mich nahm, zeigen: Du hast einen Fehler gemacht, Mann."

Durch seine Leistungssteigerung auf der Highschool wurde Jordan als ein großes Talent gehandelt. Er stand auf den Zetteln diverser Talentscouts und so lagen ihm einige Angebote für Sportstipendien vor. 1981 entschied sich Jordan im Alter von 18 Jahren für die University of North Carolina in Chapel Hill, wo er im ersten Jahr direkt die Meisterschaft gewann und im entscheidenen Spiel gegen die Georgetown Hoyas den siegbringenden Wurf versenkte. In den beiden Folgejahren blieb zwar der Teamerfolg aus, aber immerhin gewann Jordan die Auszeichnung zum Spieler des Jahres.

 

Olympia Gold mit den USA und Beginn einer einzigartigen NBA‐Karriere

Nach seiner erfolgreichen College‐Laufbahn war für Jordan die Zeit gekommen, den nächsten Schritt zu gehen. Er meldete sich im Sommer 1984 zu den NBA Drafts an, um sich mit den besten Spielern der Welt zu messen. Die Houston Rockets wählten Hakeem Olajuwon als 1. Spieler aus. Die Portland Trail Blazers hatten das 2. Entscheidungsrecht und nahmen Sam Bowie unter Vertrag, einen talentierten Center mit viel Ballgefühl, dem jedoch im Laufe seiner Karriere immer wieder Knieprobleme zu schaffen machten. Für die durchschnittlichen Chicago Bulls war nun der Weg frei für eine neue Ära, die ihnen selbst noch nicht bewusst war. Doch bereits vor seinem ersten NBA‐Spiel im Trikot der Chicago Bulls holte Jordan mit der US‐Olympiaauswahl bei den Spielen in Los Angeles Gold für sein Land, was er übrigens 1992 als Superstar des „Dream Teams“ in Barcelona wiederholte.

In seinen ersten 6 Jahren bei den Chicago Bulls gewann „His Airness“ zwar keinen NBA‐Titel, trotzdem gab er in der stärksten Liga der Welt seine unverkennbare Visitenkarte ab. Am Ende seines ersten NBA‐Jahres wurde er zum „rookie of the year“ ausgezeichnet und schaffte es mit den Bulls überraschend in die Playoffs. Nach seiner ersten Profi‐Saison wurde Jordan zum Dauerteilnehmer der All‐Star Games und gewann 1987 und 1988 den Slam Dunk Contest.

 

Michael Jordan und LeBron James

Es gibt einige Parallelen zu LeBron James, dem aktuellen MVP, also dem wertvollsten Spieler der NBA. Der Superstar der Miami Heat musste sogar 8 Jahre auf seinen ersten NBA‐Titel warten, wurde aber vorher bereits 2-mal zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt und mehrfach als NBA‐Allstar ausgezeichnet. Beide wurden mit Ende 20 zum ersten Mal NBA‐Champion und einige Experten hatten schon die Befürchtung, dass diese beiden Überflieger eine Karriere ohne Championship abschließen würden. Die Vergleiche zu Jordan liegen bei James athletischen Voraussetzungen sehr nahe. Jordans Edelhelfer Scottie Pippen sagte zu diesem Vergleich: „Michael Jordan ist wahrscheinlich der bester Scorer, der jemals dieses Spiel gespielt hat, aber ich würde soweit gehen und sagen, dass LeBron James der wohl beste Spieler ist, der dieses Spiel jemals gespielt hat.“ In den USA brachte diese Aussage Jordans kongenialem Partner harsche Kritik ein. LeBron James sieht das selbst sehr entspannt, denn für ihn war Jordan immer ein Idol und er sagt über ihn: "Ich glaube, dass Michael die komplette heutige NBA‐Generation inspiriert hat.“

 

Der Triumphzug der Chicago Bulls

Seinen ersten Ring gewann Michael Jordan 1991 in einer überraschend einseitigen Finalserie gegen die Los Angeles Lakers (4:1). Gleichzeitig war dieser Triumph wohl auch die Wachablösung Michael Jordans gegenüber dem bis dato dominierenden NBA‐Superstar Ervin „Magic“ Johnson. Das Lakers‐ Idol sagte einige Jahre später über den Spieler mit der Rückennumer 23: „Michael Jordan ist der beste Basketballer aller Zeiten. Ich würde sogar sagen, er war der beste und einflussreichste Sportler, den es jemals gegeben hat. Noch vor Muhammad Ali." Der Sieg über die Lakers war die erste von insgesamt 6 Meisterschaften des Michael Jordans (1991, 1992, 1993, 1996, 1997, 1998). Nicht wenige Experten behaupten, dass die Chicago Bulls um ihren Superstar Michael „air“ Jordan in den 90er Jahren nur sich selbst schlagen konnten.

Der Triumphzug der Chicago Bulls wurde 1994 und 1995 von den Houston Rockets unterbrochen, da Jordans Vater James kurz nach der 3. Meisterschaft im Sommer 1993 ermordet wurde. Am Höhepunkt seiner Karriere gab der damals 30‐Jährige überraschend sein Karriereende bekannt. Der 5-fache MVP entschied sich, in Gedenken an seinen Vater, Profi‐Baseballer zu werden und spielte in den kommenden Jahren mit geringem Erfolg bei den Birmingham Barons, einem Minor League Baseball‐Team der Chicago White Sox. Die Chicago Bulls spielten ohne Jordan nur mäßigen Basketball und verloren 1994 in den Conference‐Semifinals gegen den Erzrivalen New York Knicks.

Während seiner 2. Saison als Baseballspieler begann am 10. März 1995 in der MLB ein Spielerstreik, der für die Einstellung des Spielbetriebes für unbestimmte Zeit sorgte. In diesen Tagen wurde Jordan beim Mannschaftstraining der Chicago Bulls gesichtet und kurze Zeit später, am 18. März, verkündete er gegenüber den Medien "I'm back".

Es war der Tag, auf den die ganze Basketballwelt sehnsüchtig gewartet hat. MJ lief nach seinem Comeback am Ende der Saison 1994/1995 mit der ungewohnten Nummer 45 auf, der Nummer seines älteren Bruders Larry. Dies machte Jordan aus Respekt vor seinem Vater, zu dem er ein sehr enges Verhältnis hatte und der ihn beim letzten Spiel vor seinem Tod mit der Nummer 23 auf dem Parkett gesehen hatte. Michael Jordans Wahrzeichen, die ausgestreckte Zunge bei der Penetration zum Korb, hatte er sich von seinem Vater abgeschaut, der bei heimischen Arbeiten immer die Zunge rausgestreckt hatte. In der entscheidenden Phase der Saison 1994/1995 kam es dann in den Conference Halbfinals zu dem Duell der Chicago Bulls gegen die jungen Orlando Magic um Shaquille O’Neal und Penny Hardaway. Rückkehrer und Hoffnungsträger Jordan leistete sich in den entscheidenen Momenten ungewohnte Fehler und es war klar zu erkennen, dass seine Abwesenheit von der orangefarbenen Kugel zweifellos zu lang gewesen war. Die Bulls scheiterten überraschend klar mit 2:4. Ich erinnere mich noch genau an Jordans Gesichtsausdruck und seine in den Augen ablesbare Message: Ich werde wiederkommen und es allen zeigen.

Eine harte Saisonvorbereitung und ein Trainingscamp im Rahmen der Dreharbeiten für den Animations‐Kinofilm "Space Jam" mit den besten Spielern der Liga, sollten Jordan wieder zu seiner alten Form bringen. Der Bulls‐Star, der mittlerweile wieder mit der 23 auflief, spielte nach der Sommerpause 1995 wieder so wie der „alte“ Michael Jordan. In der Saison 1995/1996 gewannen die Chicago Bulls 72 ihrer 82 NBA‐Spiele und stellten einen neuen NBA‐Rekord auf, der bis heute ungebrochen ist. In den 3 Spielzeiten gewann der 14‐fache NBA All‐Star mit seinem Team zum 2. Mal den sogenannten Three‐Peat (1996, 1997, 1998), 3 aufeinanderfolgende NBA Meistertitel, ein Kunststück, das bisher einzigartig in der NBA‐Geschichte ist.

 

Der 2. Teil des Artikels befasst sich mit dem Ende der Bulls Ära, dem Mindset Michael Jordans und weiteren spannenden Themen um Michael Jordan.

 

(Nicht alle Begriffe verstanden? Basketball Englisch-Lexikon: A bis F)

 

Ramy Azrak

 

Quellenangaben:

1. http://www.ihoops.com/training‐room/player‐psychology/How‐Michael‐Jordan‐s‐Mindset‐Made‐ Him‐Great.htm

2. http://www.spiegel.de/sport/sonst/basketballlegende‐michael‐jordan‐die‐dunkle‐seite‐von‐hisairness‐ a‐659999.html

3. http://en.wikipedia.org/wiki/Michael_Jordan

4. http://www.air‐jordan.de/index.php?site=kindheit#

5. http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Jordan

6. http://espn.go.com/chicago/nba/story/_/id/7864030/scottie‐pippen‐believes‐lebron‐jamesoutscore‐ michael‐jordan

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