Basketball Bundesliga Playoffs:

Meister Bamberg trotzt dem Bonner Schlussspurt und zieht ins Halbfinale ein

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Bonns Routinier Chris Ensminger beim Freiwurf.

Eine beeindruckende Moral reichte den Telekom Baskets Bonn gegen den amtierenden Meister am Ende nicht zum Sieg. Nach zwischenzeitlicher 20-Punkte-Führung der Bamberger hatten die Rheinländer den Sieg Sekunden vor Schluss noch in eigener Hand, unterlagen am Ende jedoch 82:84 (38:44).

Vor heimischem Publikum begann vor allem Tony Gaffney auf Seiten der Bonner sehr stark und markierte in den ersten 4 Minuten mit einem spektakulären Alley-oop-Dunk und einem Monsterblock die ersten Akzente auf Bonner Seite und erzielte 6 der ersten 8 Punkte der Bonner (8:10).

Als NBA-Veteran Casey Jacobsen den Abstand nach 6 Minuten mit einem Dreipunktewurf auf 5 Zähler erhöhte, antworteten die Baskets promt mit einem 7-Punkte-run und gingen erstmals in diesem Spiel, durch den bärenstarken Benas Veikalas (21 Punkte), in Führung (15:13). Diese Führung sollte auch noch am Ende des 1. Viertels (19:17) bestand haben, ein eher seltenes Gefühl für die Telekom Baskets, In Spiel 2 und 3 mussten die Baskets mit hohem Kraftaufwand in ihrer „kleinen Rotation“ permanent einem Rückstand hinterherlaufen.

Schon in dieser Phase des Spiels wurde klar, dass das Spiel mehr von der Defense geprägt war als noch Spiel 3, bei dem die Bamberger das „Dreier-Shootout“ für sich entscheiden konnten (Bamberg 75 % Trefferquote, Bonn 54 % Trefferquote).

Zu Beginn des 2. Viertels erhöhte Bonns Center, Chris Ensminger, auf 21:17, doch Jacobsons 2. Dreier in diesem Spiel brachte Bamberg die Führung zurück. In dieser Phase des Spiels erhöhten die Bonner immer wieder für kurze Phasen den Druck auf die Aufbauspieler der Bamberger, meist durch eine kurz eingestreute Ganzfeld-Pressverteidigung. Chris Ensminger, der Routinier im Trikot der Telekom Baskets, dirigierte das Bonner-Verteidigungs-Orchester und deutete immer wieder an, wie sich seine Mitspieler in der Zone verschieben sollten.

Bonns Dreierspezialist Serapinas „Null-Faktor“

Als Simonas Serapinas Mitte des 2. Viertels sein 3. Foul gepfiffen bekam, erschien das für die Bonner, aufgrund der engen Rotation, eine erhebliche Schwächung zu sein. In Spiel 3 noch einer der besten im Team (19 Punkte, 63 % Trefferquote aus dem Feld), war Serapinas an diesem Abend mit 0 Punkten und nur 3 Versuchen aus dem Feld ein Totalausfall. Bamberg schaffte es, sich in dieser Phase leicht abzusetzen und Michael Koch, Trainer der Bonner, reagierte sofort und nahm 4 Minuten vor Ende der 1. Halbzeit eine Auszeit, um wieder mehr Linie in die Offensivaktionen seiner Schützlinge zu bringen (30:36).

Der nimmer müde werdende Chris Ensminger verkürzte den Abstand mit 2 Wühlaktionen unter dem Bamberger Korb auf 34:38. Der 38-Jährige war in diesem Spiel nicht nur in der Offensive, gemeinsam mit Veikalas, bester Schütze für die Bonner (21), er war auch der Garant dafür, dass der zukünftige NBA-Spieler Tibor Pleiß (von den Oklahoma City Thunder gedraftet) nur auf eine Ausbeute von 9 Punkten kam.

Der bis dahin stärkste Spieler der Brose Baskets Bamberg war Anthony Leon Tucker, der mit 2 Freiwürfen 1,6 Sekunden vor dem Ende der 1. Halbzeit, seine Punkte 10 und 11 erzielte und die Halbzeitführung der Bamberger (38:44) festigte.

Bambergs Tucker legt vor wie die Feuerwehr

Zu Beginn der 2. Halbzeit legte dieser Chris Tucker wie die Feuerwehr los und es schien, als wolle er das Spiel jetzt selbst entscheiden. Tucker sorgte durch seinen 12-0 Run im Alleingang für eine komfortable Führung der Franken (38:56). 17:26 Minuten vor Schluss glaubten jetzt wohl nur noch hart gesottene Telekom Baskets Fans an den Sieg ihrer Mannschaft. Und als Tibor Pleiß nach einer Auszeit der Bonner den Abstand auf 20 Punkte erhöhte, schien das Spiel auch entschieden zu sein. Verteidigungsspezialist Andrej Mangold von den Telekom Baskets Bonn sagte nach dem Spiel: „Das ist Bamberg. Nach der Halbzeit gehen die immer so ab und dann wird es schwer.“

Doch die Rheinländer wollten sich vor heimischem Publikum noch nicht geschlagen geben und probierten alles. In dieser Phase schienen Punkte von Talor Battle und Tony Gaffney nicht mehr als ein Strohfeuer zu sein (45:61). Brose-Trainer Chris Flemming nahm sicherheitshalber dennoch eine Auszeit, um die Konzentration seiner Spieler zu wahren. Doch das Gegenteil war der Fall. Die Rheinländer verkürzten durch sieben Punkte in Folge auf 52:63 und allen voran Talor Battle zeigte in der 2. Halbzeit eine starke Leistung und erzielte 11 seiner 15 Punkte im 2. Spielabschnitt.

Endlich schienen die „Riesen vom Rhein“ im 3. Viertel angekommen zu sein. Der ständige Rückstand schien überraschend Kräfte freizusetzen. Mit 58:65 ging es in die letzte Pause vor dem 4. Viertel. Kam die Aufholjagd zu spät, oder sollten es die Bonner wirklich noch schaffen, das 5. und entscheidende Spiel in Bamberg zu erzwingen?

Zu Beginn des letzen Viertels begann ein offener Schlagabtausch mit leichten Vorteilen für die Bonner. Als der starke Veikalas 8:25 Minuten vor Schluss mit einem Dreipunktewurf zum 65:68 verkürzte, wackelte der Dome. Doch Casey Jacobson und Chris Tucker hatten die richtigen Antworten (65:73). Auch das 4. Foul des eher unauffällig gebliebene Anton Gavel (7 Punkte) in dieser Phase schien die Bamberger nicht zu stören. Zu stark ist die Rotationskraft des Kaders und nach einem Dreier von Jacobson hatten eher die Bonner Grund zur Sorge. 5:10 Minuten vor Schluss waren die Brose Baskets wieder auf 10 Punkte davon geeilt. War die Moral nun endgültig gebrochen?

Die Telekom Baskets schienen an diesem Abend einfach niemals aufzugeben und kamen erneut sensationell wieder ins Spiel zurück. Die in dieser Phase besten Spieler, Talor Battle und Veikalas, hielten die Rheinländer im Spiel und verkürzten überraschend auf 74:78 und alles war wieder drin. Auszeit Bamberg, 2:18 Minuten vor Ende des Spiels.

Schlussphase nichts für schwache Nerven

1:20 Minute vor Schluss zog Battle unwiderstehlich zum Korb und wurde beim Dunking gefoult (78:81). Er erhält einen Extrafreiwurf, den er trifft (79:81). Als Gaffney im anschließenden Angriff den Ball stealt und die Bonner seit langer Zeit mal wieder, und gerade in dieser wichtigen Phase, in Führung gehen konnten, brach die Halle fast zusammen. Den Ballbesitz konnte Battle jedoch nicht in Punkte ummünzen, Tucker verteidigte im 1-gegen-1 stark.

Im Gegenzug tippte Gaffney einen Ball 17,4 Sekunden oberhalb des Zylinders weg und die Schiedsrichter entschieden richtigerweise auf Punkte für Bamberg (79:83). Timeout Bonn. Konnten die Bonner in dieser Phase noch einmal zurück kommen und das Spiel so kurz vor Schluss noch einmal drehen? Zuzutrauen war ihnen alles an diesem Tag.

Bonns Spielmacher Jared Jordan erhielt in dieser wichtigen Phase den Ball, zog zum Korb und sah den an der Dreierposition postierten Benas Veikalas, der den Ball 9,6 Sekunden vor Schluss aus 6,75 Metern im Korb versenkt (82:83). Auszeit Bamberg.

Die Bonner mussten jetzt natürlich schnell die Uhr stoppen und hatten glücklicherweise bereits 4 Teamfouls. Als Gavel den Ball nach einem Einwurf zugespielt bekam, foulten die Bonner schnell und konnten die Uhr auf 8,8 Sekunden anhalten. Als Gavel den 1. Freiwurf verwarf und den 2. Freiwurf traf, hatten die Bonner alles in der eigenen Hand.

Veikalas fühlt sich bei Dreierversuch behindert

Der letzte Angriff: Jordan passt den Ball auf Veikalas und dieser schloss mit dem Dreipunkte-Wurf aus der Ecke ab: Der Ball sprang vom Ring sehr hoch ab, eine geballte Rebound-Spielertraube stieg hoch, doch der Schlusspfiff ertönte. Veikalas reklamierte ein Foulspiel, doch Bamberg gewann das Spiel und auch die Serie.

Chris Flemming ist nach dem Spiel mit seiner Mannschaft zufrieden, fordert jedoch auf dem Weg zur Meisterschaft Konstanz und Konzentration über 40 Minuten. Auch ein großes Lob findet Flemming für die kämpferische Leistung der Bonner: „Sie haben mit der kleinen Rotation nie aufgegeben. Besonders Veikalas hat eine beeindruckende Leistung abgeliefert und 11 Punkte im letzten Viertel erzielt“.

Flügelspieler Andrej Mangold von den Telekom Baskets Bonn meinte nach dem Spiel: „Wir waren mit Bamberg auf Augenhöhe. Umso enttäuschter sind wir, dass es nicht geklappt hat. Bamberg war in der Serie nicht unschlagbar. Wir haben eine gute Leistung gezeigt und unsere Aufholjagd spricht für die super Moral und den Teamspirit in unserer Mannschaft“.


Ramy Azrak

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