Leistungsdiagnostik im Basketball

Tests für die Ausdauerleistungsfähigkeit für Fortgeschrittene

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Die richtige Werkzeuge braucht es, um eine gute Leistungsdiagnostik der Ausdauer bei Basketballern durchzuführen.

Im ersten Teil der Leistungsdiagnostik für Basketballer habe ich einfache Testverfahren für Trainer dargestellt, mit denen die Grundlagen-Ausdauer diagnostiziert werden kann. Im 2. Teil der Serie stellen wir Ihnen Testverfahren vor, die komplexer sind und ein wenig Erfahrung benötigen.

(Lesen Sie hier den 1. Teil: Grundlagen-Ausdauer: Tests für Anfänger)

Die Sportwissenschaftler von Improof Football setzen bei der Bestimmung der Ausdauerleistungsfähigkeit auf die bewährtesten und genauesten Methoden, die im sportlichen Bereich ihren Wert unter Beweis gestellt haben. In Kombination liefern dabei der Laktattest und die Spirometrie eine exakte Beschreibung der Stärken und Schwächen eines Sportlers im Ausdauerbereich, sind aber aufgrund der Komplexität in der Testdurchführung für Mannschaftssportarten wie Basketball schwer zu realisieren. Improof Football arbeitet in diesem Bereich mit verschiedenen „Shuttle run tests“, also Tests, bei denen auf kurzen Strecken Pendelläufe mit verschiedenen Geschwindigkeiten, teils mit, teils ohne Regenerationspause, durchgeführt werden. Diese Tests können, aufgrund einer großen Datenbasis, eine ausführliche Vergleichbarkeit gewährleisten und sind zudem näher an der Beanspruchungsstruktur von Spielsportarten.

 

Welche Testverfahren ermöglichen eine exakte Diagnostik?

Im Folgenden 3 Diagnostik-Verfahren, die sich zur Bestimmung der Grundlagenausdauer eignen:

- Laktat Feldstufentest

- Laufbandspirometrie

- Yoyo IR Test I und II

 

Jeder dieser Testverfahren hat grundsätzlich seine Vor- und Nachteile. Die ersten beiden Tests sind sehr umfassend und decken die Bestimmung der Leistungsfähigkeit in verschiedenen Ausdauerbereichen ab, benötigen aber in der Durchführung einen großen Zeit- und Materialaufwand. Die Yoyo Tests sind deutlich einfacher durchzuführen, liefern aber keine genaue Trennschärfe zwischen den verschiedenen Ausdauerbereichen, so dass diese in einer nachträglichen Interpretation des Tests über den Abgleich von Strecke und Puls erarbeitet werden muss.

 

1. Der Laktat Feldstufentest

Der Laktat Feldstufentest gibt neben den erhobenen absoluten Parametern, also den gemessenen Daten, vor allem Aufschluss über den individuellen Kurvenverlauf der Laktatkurve eines Sportlers, dazu gleich mehr. Wie beim Conconi Test (Grundlagenausdauer Teil 1), wird bei einem Laktat Feldstufentest auf einer 400 m Bahn gelaufen und in regelmäßigen Abständen (normalerweise 4 min oder 5 min) die Laufgeschwindigkeit über Signale erhöht. Nach jeder Geschwindigkeitsstufe wird bei den Läufern der Puls gemessen und am Ohrläppchen etwas Blut abgenommen, damit später für jede Stufe der Laktatwert im Blut bestimmt werden kann. Notiert man diese Werte auf einem Graphen mit der Zeit auf der x–Achse und dem Laktatwert auf der y–Achse, ergibt sich eine Kurve, deren Verlauf mehrere Veränderungen in der Steigung enthält. Darüber kann man ergänzend die Puls-Zeit Kurve legen. Über die „Knicks“ in den Kurven lassen sich Bereiche, wie der aerobe Bereich, die individuelle anaerobe Schwelle und der anaerobe Bereich und die dazugehörigen Pulsbereiche, identifizieren. Zudem geben maximale Laktatwerte Hinweise über die physiologische Verträglichkeit von Langzeitbelastungen in verschiedenen Intensitäten.

Ermittelte Parameter: individuelle anaerobe Schwelle, maximales Blutlaktat, maximale Herzfrequenz, maximale Geschwindigkeitsstufe, Trainingsbereiche

 

2. Die Laufbandspirometrie

Bei der Laufbandspirometrie wird die Ausdauerleistungsfähigkeit über die Atmung bestimmt, genauer gesagt über eine Analyse der ein- und ausgeatmeten Atemgase. Auch dieser Test verläuft stufenförmig und wird von einer Herzfrequenzmessung begleitet. Interessant sind die Fragen, wie viel Sauerstoff der Athlet unter hohen Belastungen relativ zu seiner Körpermasse verwerten kann und bei welcher Geschwindigkeit und welchem Puls er aus welchem System seine Energie bezieht. Während die erste Frage, die Frage nach der relativen maximalen Sauerstoffaufnahmefähigkeit, vor allem das Leistungsniveau eines Sportlers beschreibt, gibt die Beantwortung der zweiten Frage uns Hinweise darauf, wie man dieses verbessern kann. Über den Quotienten aus abgeatmetem Stickstoff und eingeatmetem Sauerstoff kann ermittelt werden, wie viel Energie wir aus welchem unserer Energiebereitstellungssysteme beziehen. Die verschiedenen Energiesysteme unseres Körpers verfügen über unterschiedliche Speichergrößen, sind unterschiedlich effizient und hinterlassen unterschiedliche Spuren im Organismus. Die Arbeit in einem Geschwindigkeits- oder Pulsbereich, bei dem eines der Energiesysteme dominant ist, wird dieses langfristig verbessern, sofern wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen (beispielsweise in der Ernährung). Ist die Schwäche erkannt, kann sie behoben werden.

Ermittelte Parameter: maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit (nicht zu verwechseln mit Lungenvolumen!),maximale Herzfrequenz, Respiratorischer Quotient, maximale Geschwindigkeitsstufe, Trainingsbereiche

 

3. Der Yoyo IR Test

Der YOYO IR II TEST wurde von dänischen Wissenschaftlern entwickelt, um in intensiven Spielsportarten wie Fußball, Basketball oder etwa Badminton in ökonomischer Weise das intermittierende Ausdauerpotential eines Sportlers nachzuweisen, also die Ausdauerleistungsfähigkeit bei intensiven Belastungen, die sich mit kurzen Ruhepausen abwechseln. Die Belastungsform des Tests ist durch ansteigende Intensität, kurze Strecken und geringe Erholungspausen sehr spielnah und erzielt dadurch Ergebnisse, die eine hohe Korrelation mit der tatsächlichen Laufleistung in einem Spiel erreichen. Untersuchungen zeigen zudem eine hohe Korrelation der erzielten Laufwerte mit der maximalen Sauerstoffaufnahmefähigkeit eines Sportlers. Mit Ende des Tests wird außerdem der Puls der Sportler gemessen, der in diesem Moment im Bereich der maximalen Herzfrequenz liegt. Über eine Auswertung der erzielten Laufstrecke und des Maximalpulses, lassen sich präzise Trainingsziele formulieren und Pulsbereiche für verschiedene Trainingsbereiche festlegen.

Ermittelte Parameter: Geschwindigkeitsstufe, Strecke in Meter, maximale Herzfrequenz, Trainingsbereiche

 

Fazit

Aufgrund der ökonomischen Durchführbarkeit dieser Tests lassen sich die Leistungen der Spieler regelmäßig überprüfen und der Ausdauer-Leistungsstand somit bewerten, was für eine mittel- und langfristige Trainingssteuerung unerlässlich ist. Wer keine Diagnostik in sein Training integriert, kann keine Ist-Situation mit einer Soll-Situation abgleichen. Eine Leistungssteigerung bzw. –minderung eines Spielers kann somit im besten Fall nur erahnt werden.

Sport soll Spaß machen, aber noch mehr Spaß macht das Gewinnen. Wer seinen Spielern im Training ab und zu einen Test zumutet, um ihren Leistungsstand zu checken und auf diesen sinnvoll zu reagieren, für den werden seine Spieler - mit schmerzverzerrtem Gesicht - Verständnis zeigen.

 

Mini-Diagnostik-Lexikon:

Ausdauerleistungsfähigkeit

Dieser Begriff beschreibt, wie widerstandsfähig ein Organismus gegen Ermüdung bei langandauernden Belastungen ist, bzw. wie schnell er sich nach Belastungen erholen kann.

 

Energiesysteme

Der Körper bezieht bei Ausdauerleistungen seine Energie für die Bewegung aus verschiedenen Systemen, je nach Intensität der Belastung. Alle Energiesysteme sind ständig aktiv, jedoch tragen sie unterschiedlich viel zu unserer Leistung bei. Wichtig für die hier beschriebenen Mechanismen sind als Energielieferanten Kohlenhydrate (aerob und anaerob) sowie Fette (aerob).

 

Laktatwert

Der Anteil des Stoffwechselendproduktes Laktat (Milchsäure) im Blut, das bei intensiven Belastungen vermehrt gebildet wird, gemessen in mmol Laktat / ml Blut. Dieser Wert wird in einem Laktattest nach jeder Geschwindigkeitsstufe gemessen. Ab einer gewissen Belastungsintensität steigt dieser Wert rapide an, wann dies geschieht, ist jedoch individuell unterschiedlich.

 

Aerobe Ausdauer

Dieser Begriff beschreibt Ausdauerleistungen, bei denen die Energiebereitstellung hauptsächlich unter Verwendung von Sauerstoff funktioniert. Bei dieser Ausdauerform wird kein Laktat angehäuft, das früher oder später zum Leistungseinbruch führt. Der Energiefluss der aeroben Energiesysteme ist aber eher langsam, weshalb wir nur bei langsamem Tempo im Bereich der aeroben Ausdauer sind. Ein Training der aeroben Ausdauer sollte somit im langsamen Tempo stattfinden und über eine möglichst große Dauer erfolgen. Als Resultat dessen werden die aeroben Energiesysteme verbessert und können mehr Energie liefern.

 

Anaerobe Ausdauer

Beschreibt Ausdauerleistungen, bei denen die Energiebereitstellung hauptsächlich ohne Verwendung von Sauerstoff funktioniert. Dies ist notwendig, wenn die Belastungen sehr intensiv sind, also einen schnellen Energiefluss benötigen. Dem Körper reicht dann die Menge Energie, die er über aerobe Energiebereitstellung erhielte, nicht mehr aus. Wenn man im anaeroben Ausdauerbereich ist, häuft der Körper Laktat in den Muskelzellen an, da es nicht mehr schnell genug abgebaut werden kann, was zu einem Erlahmen oder Erliegen der Energiebereitstellung führt. Der Muskel ist nun „übersäuert“ und kann keine Leistung mehr erbringen. Die Toleranz einer höheren Menge Laktat im Muskel kann durch Training im intensiven Intervallbereich erreicht werden.

 

Individuelle anaerobe Schwelle („Laktatschwelle“)

bezeichnet die höchstmögliche Belastungsintensität, welche gerade noch unter Aufrechterhaltung eines Gleichgewichtszustandes (Steady State) zwischen Bildung und Abbau von Laktat erbracht werden kann. Durch Training im Schwellenbereich und im aeroben Ausdauerbereich kann die Schwelle verschoben werden.

 

(Relative) maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max)

Innerhalb einer Spirometrie wird dieser Wert erhoben, der als entscheidendes Kriterium für die aktuelle Ausdauerleistungsfähigkeit eines Sportlers gilt. Der Wert beschreibt, wie viel Sauerstoff der Körper unter höchster Anstrengung pro Minute verarbeiten kann, er ist somit abhängig von der Effizienz des Lungen- und Herzkreislaufsystems, sowie der Beschaffenheit des Blutes, der Transportgefäße und der Muskulatur. Da die Körpermasse bei diesem Wert von entscheidender Bedeutung ist, ein großer Körper benötigt mehr Sauerstoff, wird bei der relativen VO2max das Körpergewicht heraus gerechnet. Der Wert wird dann in Liter/Minute/Kilogramm Körpergewicht dargestellt.

 

Respiratorischer Quotient (RQ)

Ist der Quotient aus ausgeatmetem Stickstoff (CO2) und eingeatmetem Sauerstoff (O2). Dieser Wert wird bei einer Spirometrie erhoben und liegt je nach Belastung zwischen 0,7 und 1,2. Einen Wert von über 1 erreicht man nur durch intensive Belastung, weshalb ein Wert von über 1,1 als Ausbelastung des Probanden gilt. Der Wert gibt Aufschluss darüber, welche Energiesysteme gerade im Körper aktiv sind. Fette liefern z. B. ein Ergebnis von 0,7, während Kohlenhydrate einen Wert von 1,0 liefern.

 

Ramy Azrak

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