Basketballtraining

Kommunikation im Basketball

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Durch eine gute Kommunikation im Basketball können Schwächen kompensiert werden.

Basketball ist ein Mannschaftssport, in dem die Spieler eines Teams in jeder Angriffs- und Verteidigungssituation bewusst oder unbewusst untereinander kommunizieren. Wie Kommunikation im Basketball funktioniert und wie sie verbessert werden kann, erklärt Sportexperte Ramy Azrak.

Wie auch in anderen Mannschaftssportarten ist verbale und non-verbale Kommunikation wichtig für die Qualität des Zusammenspiels. Erschwert wird das Zusammenspiel sowohl von dem zeitlichen Druck, in dem Spielaktionen durchgeführt werden müssen, als auch von der Spielstärke des Gegners. Allgemein kann man sagen, dass je höher das Niveau ist, auf dem gespielt wird, desto schneller Entscheidungen zu treffen sind. Besonders im Profi-Basketball kommt noch zusätzlich hinzu, dass Spieler sich aufgrund der lauten Akustik in der Halle, vor allem durch Zuschauer, untereinander schlecht verstehen.

 

Kommunikation im Angriff

Kommunikation kann bis zu einem gewissen Grad im Vorfeld eines Spiels trainiert werden: Ein Aufbauspieler zeigt seinen Mitspielern per Handzeichen an, welches System als nächstes gespielt wird. Ein Center, der seinen Arm nach oben ausstreckt, signalisiert dem ballführenden Spieler, dass er im Post-up anspielbereit ist. Dies geschieht alles auf non-verbaler Ebene. Auf der verbalen Ebene ruft der Aufbauspieler dem Center nach einem Rebound laut das Wort „Ball“ zu und die Flügelspieler wissen in diesem Moment, dass sie schnell für den Fastbreak umschalten und nach vorne sprinten müssen.

Darüber hinaus gibt es auch Informationen, die allgemeingültig sind und weder verbale noch non-verbale Kommunikation benötigen, sondern vielmehr mit Spielverständnis zu tun haben. So wird beispielsweise ein Spieler in einer 2-gegen-1-Überzahl-Situation den Ball zu seinem Mitspieler abspielen, wenn er vom Verteidiger angegriffen wird, also demnach aus der tiefen Verteidigungsposition rausrückt.

Die meisten kommunikativen Abstimmungen geschehen aufgrund komplexer Spielsituationen spontan. Beim Pick-and-Roll erfolgt die Kommunikation zwischen den beiden Spielern durch Blickkontakt. Der abrollende Spieler sollte stets Blickkontakt zum ballführenden Spieler halten. Dadurch signalisiert er, dass er für die Passaufnahme bereit ist. Der ballführende Spieler wiederum kann sich durch den Blickkontakt sicher sein, dass der abrollende Spieler mit dem Zuspiel rechnet.

Kommunikation kann jedoch auch instinktiv erfolgen. Bei einem sogenannten „Backdoor-Anspiel“, bei dem ein Spieler einen korbfernen Laufweg antäuscht und sich dann im Rücken des Gegenspielers zum Korb „schleicht“, passt der Mitspieler den Ball in den freien Raum, bevor sich dieser vom Gegenspieler gelöst hat. Antizipiert der verteidigende Spieler allerdings den Laufweg und stellt diesen zu, kann ein „Backdoor-Anspiel“ auch mal im wahrsten Sinne des Wortes in den „freien Raum“ gehen.

Bei Instinkt-Basketballern birgt blindes Verständnis natürlich immer ein gewisses Risiko, endet jedoch zumeist in spektakulären und effektiven Aktionen. Ein Paradebeispiel war in den 1980er Jahren der berühmte „Magic“ Johnson von den Los Angeles Lakers. Er war der Meister des No-Look-Passes.

 

Kommunikation in der Verteidigung

In der Verteidigung ist Kommunikation im Basketball ebenso wichtig wie im Angriff. In der Zonenverteidigung muss ein Team versuchen, ein enges Netz zu spannen und den Angreifern wenige Räume zu ermöglichen. Durch eine gute Kommunikation untereinander können sich Verteidiger gegenseitig helfen. Bei einer Ballverlagerung kann vom Center die Aufforderung an seine Mitspieler kommen, in Ballrichtung zu schieben um so gegnerischen Dreipunkte-Schützen wenig Raum zu lassen. Bei der Mann-gegen-Mann-Verteidigung sollte gegebenenfalls bei einem sogenannten „Mismatch“ (Größen- oder Schnelligkeitsvorteil des angreifenden Spielers) ein verteidigender Spieler zum Aushelfen in der Nähe sein. Durch eine gute Kommunikation können Schwächen im Eins-gegen-Eins kompensiert werden. In der Verteidigung wird tendenziell noch viel mehr verbal miteinander kommuniziert als im Angriff.

 

Kommunikation kann man trainieren

Gute Spieler erkennen das Geschehen auf dem Spielfeld und treffen schnell die richtigen Entscheidungen. Neben gewissen Erfahrungswerten haben sie ein gutes Spielverständnis und die Fähigkeit, Spielsituationen sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung gut zu antizipieren. Neben dem Spielverständnis und der Antizipationsfähigkeit ist jedoch auch Kommunikation ein wesentlicher Faktor, um erfolgreich als Team zu agieren.

Wie bereits oben beschrieben ist Kommunikation gut trainierbar. Um die Kommunikation im Team allgemein zu verbessern, sollte im Training Folgendes beachtet werden:

- Spielsituationen einstudieren: In Kleingruppen können zum Beispiel Flügelspieler und Center das Pick-and-Roll einüben und dabei non-verbale Kommunikationsmuster entwickeln (Arm heben = anspielbar, Arme kreuzen = ich komme zum Blockstellen). (Basketball Englisch-Lexikon: A bis F)

- In Angriff und Verteidigung einfache Zeichen (Finger) oder Code-Wörter benutzen: das leitet unmissverständlich den nächsten einstudierten Angriff ein und auch in der Verteidigung bedeutet ein Code-Wort eine bestimmte Verteidigungsgrundstellung.

- Kenne deine Mitspieler: Allein durch Erfahrungswerte und das Wissen von Stärken, Schwächen und Vorlieben jedes einzelnen Spielers untereinander kann ein Team besser und effektiver werden.

- Helfen: Durch Kommunikation kann man sich gezielt und effektiv in der Verteidigung helfen. Bei einem Pick-and-Roll kann man seinen Mitspieler auffordern zu switchen (Gegenspieler tauschen). Umgekehrt kann einem Mitspieler im Angriff das Kommando für das Blockstellen gegeben werden.

- Standardisieren: Wenn Abläufe standardisiert werden und Automatismen greifen, braucht es keine explizite Kommunikation. Dann sind „typische“ Angriffs- und Verteidigungsmuster am effektivsten.

 

Ramy Azrak

 

Quellenangaben:

1. „Basketball trainieren und spielen“, rororo Verlag.

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