Leistungsdiagnostik im Basketball

Interview mit den Gründern von Improof Football zur Leistungsdiagnostik

+
Ramy Azrak stellt grundlegende und basketballspezifische Fragen zur Leistungsdiagnostik

Ramy Azrak mit den Experten zur Leistungsdiagnostik von Improof Football im Interview. Er befragt sie zur Lestungsdiagnostik im Allgemeinen wie auch im basketball im Speziellen.

Benny Pietsch

Benny Pietsch studierte Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln mit dem Schwerpunkt Training und Leistung. Schon während seines Studiums arbeitete er als selbstständiger Personal Trainer und sammelte Erfahrungen im professionellen Fußball u.a. im Bereich Scouting. Nachdem er 2010 seine Lizenz zum Personal Trainer gemacht hatte, folgten weitere Fortbildungen sowie auch Trainerlizenzen im Fußball und in der Leichtathletik. Nach Abschluss seines Studiums zum Diplom Sportwissenschaftler setzte er gemeinsam mit Till Ebener die bereits geplante Gründung der PROOF²IT GmbH um, die neben Personal Training unter dem Markennamen Improof Football auch Reha- und Kleingruppentraining, Videoanalysen und Leistungsdiagnostiken anbietet.

Till Ebener

Till Ebener beendete sein Studium der Sportwissenschaften im Sommer 2010, nachdem er bereits im Frühjahr des gleichen Jahres seine Personal Trainer Lizenz und Leichathletik Trainer Lizenz erhalten hatte. Ebener sammelte bereits während des Studiums langjährig Erfahrungen als Videoanalytiker und Leistungsdiagnostiker im Profisport, vor allem im Fußballbereich. Ergänzt werden diese Erfahrungen durch Tätigkeiten als Leichtathletik- und Personal Fitness Trainer, sodass er nun vielfältige Expertisen in die verschiedenen Arbeitsbereiche der gemeinsam mit Benny Pietsch gegründeten Firma PROOF²IT und ihrer Marke Improof Football einbringen kann.

 

Allgemeine Fragen zur Leistungsdiagnostik mit Benny Pietsch

trainingsworld: Benny, wieso ist Leistungsdiagnostik wichtig?

Benny Pietsch: Die Ergebnisse von Leistungstests liefern uns genaue Daten darüber, welchen Leistungsstand ein Athlet hat, wo Verbesserungen notwendig sind und wie Trainingsbelastungen und Lebenswandel die Leistungsfähigkeit beeinflussen. Mit den ermittelten Ergebnissen können wir präzise entsprechende Trainingsmaßnahmen einleiten.

 

trainingsworld: Worauf sollte ein Trainer bei einer Leistungsdiagnostik achten?

Benny Pietsch: Dass er verlässliche Tests anwendet, diese immer unter gleichen Bedingungen wiederholt, um die Ergebnisse vergleichen zu können und somit zuverlässig die Entwicklung der Spieler dokumentieren zu können. Im Vorfeld der Tests sollten die Athleten optimal auf die Leistungstests eingestimmt werden. Organisatorisch stellt eine Leistungsdiagnostik hohe Anforderungen. So sollte beispielsweise der Termin der Durchführung so gewählt werden, dass keine hohe Belastung der Athleten vorausgegangen ist.

 

trainingsworld: Benny, in welchen Abständen sollten Überprüfungen der Leistungsfähigkeit durchgeführt werden?

Benny Pietsch: Idealerweise sollten Tests in regelmäßigen Abständen alle 6–8 Wochen durchgeführt werden, eine derart hohe Dichte an Testterminen ist allerdings relativ unrealistisch, vor allem im Bereich von Spielsportarten. Zumindest 2-mal pro Halbjahr müsste allerdings eine Leistungsüberprüfung stattfinden.

 

trainingsworld: Welche typischen Fehler können bei einer Leistungsdiagnostik passieren?

Benny Pietsch: Bei unerfahrenen Testern stellt die Abmessung der Abstände bei Ausdauer- oder Sprinttests sicher die größte Fehlerquelle dar. Ein weiterer häufiger Fehler liegt in der Terminierung eines Tests, da die Vorbelastung minimal gehalten werden sollte, um das tatsächliche Leistungspotential der Athleten zu erfassen. Generell erfordern Beweglichkeitstests und Funktionsanalysen eine hohe Erfahrungskompetenz seitens des Testers. Wie bei vielen Krafttests auch, ist hier vor allem die korrekte Bewegungsausführung von Bedeutung und daher sehr penibel zu überprüfen. Die größte Problematik liegt jedoch in der Umsetzung der erworbenen Daten in die Trainingspraxis, nicht unbedingt in der Testdurchführung selbst. (Weiteres zur Leistungsdiagnostik: Wie ermittele ich meinen Trainingsbereich?

 

Basketballspezifische Fragen mit Till Ebener

trainingsworld: Till, wie unterscheidet sich grundlegend eine Diagnostik bei einem Fußballspieler zu einem Basketballspieler?

Till Ebener: Im Großen und Ganzen unterscheiden sich weder Testprotokolle noch die Durchführung. Die Interpretation und Gewichtung der Ergebnisse ist jedoch von Sportart zu Sportart unterschiedlich, was sich in der Belastungsstruktur der Sportarten begründet. Wie lang sind durchschnittliche Sprints, wie lange dauern einzelne Spielabschnitte, welche Bewegungsformen tauchen vermehrt auf? Das sind die Parameter, die es erlauben, innerhalb der Testdaten und sogar der Teilergebnisse einzelner Tests eine unterschiedliche Gewichtung vorzunehmen. Die fußballfunktionelle Bewegungsanalyse beispielsweise kann durch eine Veränderung der Bewertungshierarchie ihrer 11 Einzeltests auf den Basketballsport angepasst werden.

 

trainingsworld: In der NBA hat Dirk Nowitzki letzte Saison mit Vorbereitung, Saison und Playoffs und Europameisterschaft mehr als 100 Spiele absolviert. Fußball-Profis mit Mehrfachbelastung kommen in etwa auf die Hälfte der Spiele. Ist die Belastung im Fußball höher als im Basketball?

Till Ebener: Per se kann diese Frage nicht beantwortet werden, da sich, wie bereits beschrieben, Belastungsparameter der Sportarten deutlich unterscheiden. Des Weiteren ist etwa die Größe des Spielfelds ein Faktor, der sich direkt auf die Laufleistung und Durchschnittsgeschwindigkeit während des Spiels auswirkt. Zudem findet das Basketballspiel auf einem ebenen Untergrund statt, im Fußball ist der Untergrund weicher und unregelmäßiger. Es ist also grundlegend schwierig, diese beiden Sportarten in einen direkten Vergleich zu setzen.

 

trainingsworld: Wo stößt die Leistungsdiagnostik im Basketball auf Grenzen?

Till Ebener: Mit entsprechender Fantasie und den nötigen Mitteln lässt sich im Grunde Alles auf irgendeine Art und Weise messen. Solange Tests den wissenschaftlichen Standards von Verlässlichkeit, Wiederholbarkeit und Objektivität genügen, sind dort fast keine Grenzen zu setzen. Sogar psychologische oder physiologische Leistungsdeterminanten lassen sich mittlerweile sinnvoll und praxisnah überprüfen. Der oft zitierte gläserne Spieler ist in jedem Fall keine Utopie mehr, solange verantwortungsvoll mit den erhobenen Daten umgegangen wird, ist eine Konstellation mit möglichst genauen Entwicklungsdaten auch absolut wünschenswert.

Abschließend ist zu sagen, dass Leistungsdiagnostiken auf nahezu jedem Level und bei fast allen Altersstufen eine sinnvolle Ergänzung des Trainings darstellen und bei ambitionierten Teams zum Standard gehören sollten. In der Praxis ist die Umsetzung von Leistungstests immer noch defizitär, da die Notwendigkeit solcher oft nicht erkannt wird oder entsprechende Kompetenzen in dem Transfer für die Trainingspraxis bei Trainern und Verantwortlichen nicht gegeben ist.

 

Ramy Azrak

Auch interessant

Kommentare