Basketball

„Nächste Saison möchte ich noch einen Ticken schneller sein“ - Interview mit Basketballprofi Andrej Mangold

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Jung, athletisch, sympathisch: Andrej Mangold von den Telekom Baskets Bonn (rechts) im Gespräch mit trainingsworlds Basketballexperten Ramy Azrak

trainingsworld Basketballexperte Ramy Azrak führte ein Interview mit Basketballprofi Andrej Mangold von den Telekom Baskets Bonn: Über Training, Alltag und Krisen eines professionellen Basketballspielers.

Andrej Mangold spielt seit der Saison 2011/2012 beim Basketball Bundesligisten Telekom Baskets Bonn und hat in der abgelaufenen Spielzeit die Playoffs sowie das Pokal-Finale erreichte. Der 25-Jährige war zuvor beim Ligakonkurrenten Artland Dragons unter Vertrag.

Mangold war im Konstrukt der Baskets als Ergänzungsspieler auf den kleinen Positionen geplant, doch durch die Verletzung von Benas Veikalas wurde der Flügelspieler ins kalte Wasser geworfen, in dem er sich freischwamm. Er hat das nötige Vertrauen von Michael Koch (Interview mit Michael Koch, dem Trainer der Telekom Baskets Bonn) bekommen und sich das Selbstvertrauen erarbeitet. Dies zahlte er seinem Verein diese Saison zurück und hat kürzlich seinen Vertrag bis 2014 verlängert.

Im Exklusivinterview erzählt mir Andrej, dass er in der trainingsfreien Zeit lieber ein Buch liest als mit seinem Teamkollegen Chris Ensminger zum Yoga zu gehen, dass Burger besser schmecken, aber Nudeln mehr Power geben und warum es so wichtig ist, einen Abschluss zu machen.

trainingsworld: Andrej, erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Vertragsverlängerung!

Andrej Mangold: Vielen Dank! Ich freue mich, 2 weitere Jahre in Bonn spielen zu dürfen!

 

trainingsworld: Andrej, nach der hervorragenden Leistung gegen den alten und neuen Deutschen Meister Brose Baskets Bamberg hattet ihr Spieler Zeit zur Regeneration. Wie hast du diese Zeit genutzt?

Andrej Mangold: Ich habe in den letzten Wochen sehr viel relaxt und es mir nach der langen Saison gutgehen lassen. Vor allem nach den Playoffs, wo man alle drei Tage spielt, ist es ganz wichtig, dass man den Körper regenerieren lässt. Aus diesem Grund habe ich auch eine Woche Urlaub in Spanien gemacht, um den Akku wieder aufzuladen.

 

trainingsworld: Aktuell befindest du dich in der Aufbauphase für die neue Saison. Mit deinem Personal Trainer Jasser El Naggar, dem ehemaligen Kapitän Eurer Regionalligamannschaft, schiebst du auch Extraschichten. Welche Schwerpunkte setzt ihr dabei?

Andrej Mangold: Die Schwerpunkte, die ich mit Jasser abgesprochen habe, sind sowohl der Aufbau einer allgemeinen Fitness und Athletik, als auch die Verbesserung der Schnelligkeit und Sprungkraft. Nächste Saison möchte ich noch einen Ticken schneller sein und auch etwas höher springen. Von daher werden wir in den nächsten Wochen gezielt daran arbeiten.

 

trainingsworld: Wie sieht eine typische Trainingseinheit aus?

Andrej Mangold: Das ist ganz verschieden. Jasser hat eine große Spanne an Übungen, die er mit mir durchführt. Von Stabilitätsübungen über Koordinationsübungen bis hin zu Übungen mit dem Basketball wird alles dabei sein.

 

trainingsworld: Viele Leser interessieren sich für den Alltag eines deutschen Basketball-Profis. Kannst du uns dies bezüglich Einblicke gewähren?

Andrej Mangold: Ja natürlich. Mein Alltag gestaltet sich so, dass ich in der Regel 1 bis 2-mal am Tag trainiere. Abends steht das Teamtraining an. Da wird in der Saison der Schwerpunkt auf 5-gegen-5 gelegt, die Systeme einstudiert und die Laufwege abgestimmt. Morgens steht entweder Krafttraining, Individualtraining oder positionsspezifisches Training an. Mittendrin ist dann, je nachdem wie anstrengend die Trainings sind, entweder relaxen angesagt oder man liest ein Buch oder macht etwas für die Uni.

 

trainingsworld: Also gehst du nicht mit deinem Teamkollegen Chris Ensminger (Anm. d. Red.: 38-Jähriger Center Routinier bei den Telekom Baskets Bonn) zum Yoga?

Andrej Mangold: (lacht) Nein, da gehe ich nicht mit. Das habe ich mir aber mal überlegt. Der Chris ist 38 und die Leistung, die er immer noch zeigt, ist wirklich erstaunlich. Er muss ein Geheimnis haben und ich glaube sein Geheimnis ist Yoga. Wenn ich ein paar Jahre älter bin, werde ich mir das noch mal überlegen, ob ich nicht auch meinen Körper mit Yoga in Schuss halte.

 

trainingsworld: Letzte Woche hast du ein schönes Foto von deinem Mittagessen bei Facebook gepostet. Zu sehen waren ein saftiger Burger, Pommes und Majo. Wie häufig darf ein Profi sündigen? Und was steht normalerweise auf Deinem Speiseplan?

Andrej Mangold: Was das Essen angeht haben wir natürlich eine gewisse Eigenverantwortung. In der Vergangenheit habe ich schon mit Spielern zusammen gespielt, die fast jeden Tag zu McDonalds oder Burger King gegangen sind. Allerdings kommt es natürlich auch darauf an, wie sehr der eigene Körper daran gewöhnt ist. Wenn ein Spieler das so praktiziert und seine Leistung bringt, dann ist das glaube ich okay.

Ich persönlich achte schon sehr auf meine Ernährung. Burger mit Pommes, das kann man sich schon mal gönnen. Es auch nicht so, dass ich komplett auf Fast Food verzichte, allerdings versuche ich das zu reduzieren. Ich esse vor dem Training lieber Kohlenhydrate, beispielsweise eine Portion Nudeln. Dann habe ich auch für das Training mehr Power. Außerdem versuche ich abends auf zu viel Fett zu verzichten, dadurch kann ich mein Gewicht halten und bin insgesamt auch leistungsfähiger.

 

trainingsworld: Es wird ja immer wieder bemängelt, dass es zu wenig deutsche Spieler in der Basketball-Bundesliga gibt und der Nachwuchs nicht ausreichend gefördert wird. Wie hast du den Sprung in die BBL geschafft? Und welche Tipps kannst du jungen, talentierten Spieler geben, die auch davon Träumen Profi zu werden?

Andrej Mangold: Das Wichtigste ist, dass man sich nicht zu früh dafür entscheidet, alles auf die „Basketballkarte“ zu setzen. Der Schulabschluss hat Priorität, denn man wird niemals soviel verdienen, dass man nach der Karriere nicht mehr arbeiten muss. Dirk Nowitzki ist die große Ausnahme im deutschen Basketball. Sogar als gestandener Basketballprofi, der 10 bis 15 Jahre in der Bundesliga spielt, hast du "nur" das Glück eine gute Vorsorge zu haben. Allerdings wirst Du niemals so viel Geld haben, dass Du Dich auf die faule Haut legen und ein relaxtes Leben führen kannst.

Ich selber habe auch eine Ausbildung absolviert und wusste, wenn ich mir mal eine schwere Verletzung zuziehe, dann kann alles schnell vorbei sein. Jungen Spielern rate ich viel zu trainieren, aber auch das zweite Standbein parallel aufzubauen. Meine Ausbildung habe ich mit 23 Jahren abgeschlossen und kann mich jetzt voll auf Basketball konzentrieren.

 

trainingsworld: Abschließend eine Frage, die mich als Personal Trainer sehr interessiert. Wie motivierst du dich täglich Höchstleistungen zu erbringen? Und wie oft hast du schon das Gefühl gehabt, alles hinschmeißen zu wollen?

Andrej Mangold: Die erste Frage ist recht einfach beantwortet. Wenn ich Spieler wie Jared Jordan oder Benas Veikalas auf meiner Position sehe, die natürlich ein paar Jahre älter als ich sind, aber absolute Topleistungen bringen, dann motiviert mich das. Ich versuche der beste Spieler zu sein, der ich sein kann. Je besser du spielst, desto mehr wirst den Fans positiv in Erinnerung bleiben. Der wichtigste Grund ist aber natürlich der finanzielle: Je besser du spielst, desto mehr Möglichkeiten hast du später, dich finanziell abzusichern.

Was die zweite Frage angeht: Als ich vor 5 Jahren in München meine Ausbildung angefangen habe und dort in der 2. Bundesliga gespielt habe, hatte ich nicht nur sportlich gesehen eine gute Ausgangsposition für die nächste Saison. Ich bin dann zu Bayern München gewechselt und leider hat mich eine Verletzung etwas zurückgeworfen. Wir hatten zu dieser Zeit auch eine sportliche Krise und einigen Spielern wurde zu dieser Zeit nahegelegt, den Verein zu verlassen. Ich gehörte zu diesen Spielern und hatte kurz die Überlegung, mit Basketball aufzuhören. Zum alten Verein zurückzukehren war schwierig und die Ausbildung zu unterbrechen war auch nicht in meinem Sinne. Doch auch wenn das Jahr sportlich gesehen für mich eine Verschwendung war, bin ich immer meinen Weg gegangen. Ich bin nicht der Typ der aufgibt.

 

trainingsworld: Ich bedanke mich für das nette Gespräche!

 

Ramy Azrak

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