Basketballtraining

Basketball: Experten-Interview mit Athletiktrainer Marcus Lindner (Teil 2)

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Der professionelle Basketball-Coach Marcus Lindner erzählt vom Athletiktraining für Basketballer

Im 2. Teil des Experten-Interviews mit Athletiktrainer Marcus Lindner erzählt er uns, wieso eine Basketballmannschaft einen Athletiktrainer haben sollte, wie sich Athletiktraining in den letzten Jahren weiterentwickelt hat und welche zusätzlichen Hilfsmittel er beim Basketballtraining einsetzt.

Lesen Sie hier Teil 1 des Interviews, in dem Marcus Lindner uns Einblicke in seine Arbeit als Athletiktrainer bei den Brose Baskets Bamberg gewährt.

  

trainingsworld: Wird das Spiel, wie man sagt, tatsächlich im Kopf entschieden? Und wie wichtig ist dann überhaupt ein Athletiktrainer?

Marcus Lindner: Ich denke alle Teildisziplinen haben ihre Berechtigung. Wie die Gewichtung aussieht, das hängt natürlich von den Spielern ab. Jeder Spieler ist unterschiedlich. John Wooden (Anm. der Red.: College-Trainer-Legende http://de.wikipedia.org/wiki/John_Wooden) hat sinngemäß folgendes gesagt: „Am besten diskriminierst du eine Person, indem du alle gleich behandelst“. Das ist bei uns das Hauptkredo: Dass wir sehr stark auf das Individuum eingehen; in meiner Arbeit basierend auf qualitativer und quantitativer Leistungsdiagnostik, die medizinische Abteilung mit ihrer Anamnese. Darauf basiert die Ausrichtung des Trainings. Darüber hinaus haben wir aber auch einen Mentalcoach, mit dem die Spieler arbeiten können und der die unterschiedlichen Bedürfnisse der Spieler in Gesprächen feststellt und dort mit der Arbeit ansetzt. Genauso ist es auf dem Court auch. Unsere Guards machen nicht das gleiche wie die Innenspieler.

 

trainingsworld: Welche spezifischen Athletikskills sind im Basketball nicht wegzudenken?

Marcus Lindner: Ich kümmere mich um die fundamentalen athletischen Fähigkeiten, bei denen alle Bewegungskategorien, wie z. B. Springen, Laufen, Sprinten, gleich wichtig sind. Basierend auf den Bewegungsergebnissen sind die limitierten Bewegungskompetenzen oder Dysfunktionen die Bereiche, die am meisten Aufmerksamkeit genießen. Es geht also für mich darum, an den Defiziten zu arbeiten und die Spieler besser zu machen. Darüber hinaus betrachte ich natürlich auch die komplexen Bewegungsmuster der Spieler. In diesem Rahmen spielt auch das Belastungsprofil der Sportart eine Rolle bei der Trainingsgestaltung, aber noch wichtiger ist das individuelle Athletikprofil des Spielers, das den Trainingsalltag bestimmt.

 

Evolution oder Revolution

trainingsworld: Wie schnell entwickelt sich das Athletiktraining weiter und was sind die gravierendsten Veränderungen in den letzten Jahren? 

Marcus Lindner: Es hat ein riesen Umdenken in den letzten acht Jahren stattgefunden. Es wird nicht mehr gegen den Sportler gearbeitet, also die klassische Vorstellung: Jetzt kommt der Athletiktrainer und der zerstört alle und dann kommen der Physio und die medizinische Abteilung, die alle wieder herrichten. Heute wird Hand in Hand abteilungsübergreifend gearbeitet. Selbst bei der Leistungsdiagnostik kommen immer mehr Elemente aus der Sportphysiotherapie. Außerdem wird das Training zunehmend individualisiert auf den Sportler ausgerichtet, wodurch die Leistung der Spieler gezielt verbessert werden kann. Früher wurde darauf kaum Wert gelegt.

 

trainingsworld: Gibt es bezüglich des Trainings auch eine Revolution? Stichworte „Core-Training“ und „Functional-Training“?

Marcus Lindner: Man muss sich meiner Meinung nach vom Gedanken lösen, dass es DIE Übung gibt oder DAS Programm. Wichtig ist es, dass ein Trainer ein System hat und das Programm und die Übung beurteilen kann. Funktionales Training heißt nicht auf einem Bein stehen und balancieren, sondern ob das Programm oder die Übungsauswahl, basierend auf den Testergebnissen, wirklich eine Bewegungsqualität und eine Verbesserung in die Bewegungskompetenz und fundamentalen Bewegungsmuster erreicht wurde. Wichtig ist immer, ob mit einem Tool Verbesserungen gemessen werden können.

 

trainingsworld: Der Titel eines Film-Klassikers besagt „White man can´t jump". Aber warum sind ausgerechnet im Hochsprung die drei letzten Olympiasieger weiße Springer?

Marcus Lindner: Das ist eine gute Frage. Das wusste ich bisher noch nicht (lacht). Das zu analysieren ist eine Studie wert. Insgesamt gibt es im Vergleich zum Basketballsport denke ich viel weniger afroamerikanische Sportler, die Hochsprung leistungsmäßig betreiben. Das könnte der Hauptgrund sein, auch wenn afroamerikanische Sportler an der Achillessehne einen genetischen Vorteil gegenüber weißen Sportlern haben, was die Muskelfaserstruktur angeht. Außerdem kann man auch sagen, dass wenn Talent faul ist, der untalentierte Sportler den talentierten Sportler auch irgendwann schlagen oder zumindest gleichauf sein wird. Vielleicht trifft dies auch beim Hochsprung zu.

 

trainingsworld: Welche zusätzlichen Trainingsgeräte nutzt Du bei Deinen Trainingseinheiten und wieso?

Marcus Lindner: Wir nutzen Kettlebells, weil bei verschiedenen Übungen wie beispielsweise beim Kreuzheben die Griffkraft und die Überkopfarbeit besser ist als mit Kurzhanteln. Dann nutzen wir Trapbars, also eine Hexagon-Langhantel, für Kreuzheben, weil das Gewicht näher am Körpermittelpunkt ist. Darüber hinaus haben wir Plyometrieboxen, Minibänder, Slidebords, Slingtrainer und eine Vielzahl von weiteren Kleingeräten. Jedes Gerät erfüllt seinen Sinn und Zweck und die Kombination ist letztendlich zielführend.

 

Im 3. Teil des Interviews wird es um Marcus' Arbeit mit der Basketball-Nationalmannschaft gehen.

 

Ramy Azrak

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