Der richtige Basketballschuh (Teil 1)

Basketballschuhe - von den 80er bis heute

Im ersten Teil dieser 3 Artikel zum Thema Basketballschuhe erzählt mir Dirk Wolf von Berchem von Good Walking viele interessante Dinge zum Thema „Basketballschuhe - von den 80er Jahren bis heute.“

Mein erster Basketballschuh 1993: Nike „air“ Jordan VIII

Im Dreiteiler zum Thema „Basketballschuhe“ traf ich Dirk Wolf von Berchem, seines Zeichens seit 30 Jahren Geschäftsinhaber des Sportschuhladens „Good Walking“ mit überregionaler Bekanntheit. Mit ihm plauderte ich in angenehmer Atmosphäre über alles rund um das Thema „Basketballschuhe“. Im ersten Teil erzählt mir von Berchem viele interessante Dinge zum Thema „Basketballschuhe - von den 80er Jahren bis heute.“

 

Good Walking

Ich erinnere mich noch genau an den Kauf meines ersten Paars Jordan-Schuhe. In der ersten Woche habe ich die Schuhe nur auf das Regal in meinem Zimmer gestellt und schier den ganzen Tag angeschaut. Das war 1993 und ich war zarte 15 Jahre alt. Das ist mittlerweile fast 20 Jahre her.

Es war dieser kleine gemütliche Sportschuhladen in der Einkaufspassage Koblenzer Straße in Bad Godesberg. Damals, lange bevor das Shopping via Computer und Smartphones Einzug hielt, war dieser kleine Laden der angesagteste Basketballshop in Bonn und Umgebung. Noch heute genieße ich die persönliche, individuelle und professionelle Beratung des Geschäftsführers Dirk Wolf von Berchem. „Good Walking“, so wie der gemütliche Sportschuhladen seit Gründung heißt, öffnete im Februar 1982 seine Pforten. Bei meinem letzten Besuch vor ein paar Tagen kaufte ich ausnahmsweise keinen Basketballschuh, sondern einen klassischen Converse Chucks mit Winterfell und verabredete mich anschließend mit von Berchem zu einem Gespräch, an dem Ort, wo ich meine ersten Jordan-Schuhe kaufte.

Im Gespräch mit von Berchem möchte ich erst einmal mehr über „Good Walking“ erfahren. Zu Beginn des Gesprächs erzählt er mir, dass sein Sportschuhladen aus dem klassischen Schuhgeschäft hevorgegangen ist. „Früh zeichnete sich am Horizont ab, dass Sportschuhe im Freizeitschuhbereich eine gewisse Dominanz haben beziehungsweise im Markt gefragt sein werden“, so der 65-Jährige. Auf diese Entwicklung reagierte er schnell. Die ersten Sportmodelle, die der Hobby-Radsportler vertrieb, waren jugendorientierte Sneaker, aber eher alternative Schuhe der Marken Roots, Mephisto und Rockport. „Kurze Zeit später folgten dann auf die ausgefallen Marken die klassischen Sportschuhe, weil die jungen Leute Anfang der 80er Jahre die Sportschuhe als hippe Freizeitschuhe entdeckt haben.“ Die Spezialisierung auf Basketball kam in der 2. Hälfte der 80er Jahre durch seine persönlichen Kontakte zum GTV Bonn (ehemaliger Basketball-Bundesligist). Diese Spezialisierung pflegt er bis heute in seiner Produktpalette.

Bis heute hat „Good Walking“ eine Vielzahl von Basketballschuhen im Angebot. Mich interessiert natürlich, wie sich sowohl der Markt für Basketballschuhe als auch die Qualität seit den 80er Jahren verändert haben.

 

80er: Magic Johnson das Aushängeschild in der Basketballszene

Für mich als 34-Jährigen und die Jüngeren unter Ihnen ist es natürlich interessant zu wissen, welche Basketballschuhe in den 80er Jahren dominierten. „Die Marke Nike, heute Marktführer im Basketball, hatte in den 80er Jahren noch keine guten Basketballschuhe und penetrierte Ende der 80er Jahre, Anfang der 90er Jahren mit Michael „air“ Jordan verstärkt den Markt. adidas spielte eine recht gute Rolle zu dieser Zeit“, erzählt mir der 65-Jährige. Doch wer war denn dann in den 80er Jahren Marktführer im Basketball? „Die dominierende Marke war Converse mit ihrem Aushängeschild „Magic“ Johnson, dem Superstar der Los Angeles Lakers". Die ersten Basketballschuhe waren übrigens auch von der Marke Converse, Chuck Taylor All Stars, kurz auch „Chucks“ oder „Cons“ genannt. Ursprünglich nur als Basketballschuhe gedacht, entwickelten sie sich bis heute zu einer der erfolgreichsten Freizeitschuhe aller Zeiten.

 

90er: Michael „air“ Jordan startet durch

„Durch die Popularität und Erfolge von Michael Jordan mit den Chicago Bulls in den 90er Jahren ist Nike im Basketball durchgestartet.“ Und auch ich war großer Michael Jordan-Fan, der verschlafen in die Schule ging, um alle Spiele mit Jordan-Beteiligung live im Fernsehen mitzuverfolgen. Ohne Jordan wäre ich vielleicht nie zum Basketball gekommen und von Berchem ist der Meinung, dass Nike sich ohne Jordan nicht gegen adidas und Converse durchgesetzt hätte, zumindest nicht in Deutschland und Europa.

 

Seit 2000: Nike setzt sich an der Spitze fest

Heute regiert der Kommerz stärker denn je und die Vermarktungsmaschinerie läuft viel intensiver als noch in den 80er und 90er Jahren. Mittlerweile haben nicht nur die absoluten NBA-Superstars exklusive Werbeverträge und eine eigene Schuhkollektion: Lebron James, Dirk Nowitzki, Kobe Bryant und Jalen Rose sind die wohl prominentesten unter den aktiven Spielern. Die Entwicklung geht noch weiter. Dank des Internets und des sogenannten E-Commerce hat der Verbraucher mittlerweile die Möglichkeit, seinen eigenen Basketballschuh per Mausklick selbst zu designen. Das wohl bekannteste Beispiel bietet die Firma Nike mit „Nike ID“. Der Nachteil für die „eigene Identität“ liegt auf der Hand: Das Preisniveau ist bei einem customized Schuh deutlich höher.

 

Verbessert: Sohlenkonstruktion, Dynamik, Gewichtsentwicklung und Tragekomfort

EVA steht für Ethylene Vinyl Acetate. EVA ist das allgemeine Dämpfungsmaterial, das aufgrund seiner intensiven Dämpfungseigenschaft in Sportschuhen verwendet wird. EVA wird als Granulat, wässrige Dispersion, Pulver, aber auch als Folienmaterial verwendet. Der Kunststoff hat eine hohe Wärme- und gute Alterungsbeständigkeit. EVA wird in Sportschuhsohlen als offenporiger Schaum verarbeitet. Gegenüber geschlossenporigem Schaum unterscheidet sich offenporiger Schaum vor allem durch geringere Lebenserwartung, sprich, die Dämpfung altert schneller. Dafür wird der Schuh aber erheblich leichter, der Hauptgrund wieso er in dieser Form eingesetzt wird.

„Die Weiterentwicklung des Basketballschuhs seit den 80er Jahren findet sich hauptsächlich in der Sohlenkonstruktion, damit einhergehend in der verbesserten Dynamik und Gewichtsentwicklung, aber auch in einem angenehmerem Tragekomfort“, so von Berchem und weiter: „Über die verbesserte Sohlenkonstruktion ist viel mehr Dynamik eingeflossen. In den Anfängen hat man Gummi-Schalensohlen mit einem sogenannten EVA-Kern genutzt. Die Gummi-Sohlen waren sehr schwer und steif, wodurch das Abrollverhalten schwerfällig war. Insgesamt waren die Schuhe sehr simpel und ohne technische Finessen aufgebaut.“

Nicht nur im Basketball hat sich die Sohlenkonstruktion im Laufe der Jahre weiterentwickelt. Überall dort, wo eine hohe Nachfrage existiert, wird Geld investiert. Nicht nur im Elektronikbereich entwickelt sich Technologie kontinuierlich weiter. „Die Sohle ist immer flacher geworden, die eigentliche Laufsohle, also das schwerste Element in der Sohlenkonstruktion, ist heute nur noch die unterste Schicht der Sohle, wodurch die Schuhe auch deutlich leichter sind. Alles andere drüber ist Dämpfung plus Technik, wie z. B. Karbonschalen, die für Stabilität sorgen, Überführungselemente, die an der Sohle hochgezogen sind oder unterschiedlich hart aufgebaute Dämpfungsteile in der Sohle. Der Sohlenaufbau ist heute sehr viel komplizierter und aufwendiger als in den 80er Jahren.“

Auch in Punkto Komfort gibt es im Vergleich zu früher deutliche Verbesserungen. Allein durch die flachere und leichtere Sohle trägt sich ein Basketballschuh viel angenehmer als früher. Hinzu kommt vor allem die Weiterentwicklung im Schaftbereich. „Es wurden Elemente eingebaut, die den Knöchel aussparen“, so von Berchem und ergänzt: „Außerdem hat man heute im Vorderfussbereich mehr Platz für die Zehengruppe.“

 

„Nur durch einen besonderen Service kann man gegen das Internet konkurrieren“

Für viele mit Kultstatus: Good Walking – Der Sportschuhladen

Als selbständiger Geschäftsmann mit 30 Jahren Vertriebserfahrung möchte ich von von Berchem wissen, wie sich die Konkurrenzsituation seit Beginn seiner Arbeit bis heute verändert hat. „Sowohl im Sneakerbereich als auch im Allgemeinschuhbereich hat sich enorm viel ins Internet verlagert. Firmen wie Snipes, Kickz oder auch Zalando sind unheimlich stark und eine große Konkurrenz für den Einzelhandel, was wir täglich zu spüren bekommen. Das geht ja soweit, dass jüngere Leute, die über ein Iphone verfügen, hier in den Laden kommen, einen Schuh anprobieren und dann im Internet checken, wo dieser Schuh am günstigsten angeboten wird. Als stationärer Händler wird man gezwungen, die Preise der Internetanbieter immer im Auge zu haben und das Preislevel zu halten. Die Konkurrenz ist brutal überregional und nicht mehr, wie in den 80er und 90er Jahren, lokal bis maximal regional.“ Die meisten Preise der Konkurrenz hat von Berchem im Kopf und begegnet der Konkurrenz mit „individueller Betreuung, Know-how und Produktvergleiche am Kunden bzw. am Fuß“, wie er selbst sagt. „Nur durch einen besonderen Service kann man gegen das Internet konkurrieren und sich auf dem Markt eine gute Position verschaffen. Der Internet-Direktvertrieb hat durch Breite und Internationalität Vorteile, die ein Händler nie bieten kann.“

An die Internet-Konkurrenz hat sich der Geschäftsführer mittlerweile gewöhnt und auf einen eigenen Internetauftritt verzichtet der 65-Jährige übrigens gänzlich: „Mit dem Internet habe ich aufgrund meines Alters weniger zu tun. Ich setze lieber auf die persönliche Beratung an Ort und Stelle.“

 

...und das Internet ist nicht das einzige Problem

Viel mehr beschäftigt von Berchem die unangenehme Situation, dass die Konzerne adidas und Nike hauptsächlich mit Großhändlern Verträge abschließen, wodurch dem Spezialisten bzw. Einzelhändler die Möglichkeit verwehrt bleibt, eine stimmige Kollektion auszusuchen und einzukaufen. „Mir werden gewisse Modelle gar nicht erst als Muster gezeigt. Ein Beispiel ist der Kobe VIII, der im Frühjahr 2013 auf den Markt kommen wird. Kein Händler hat diesen Schuh bisher gesehen und niemand weiß, wie das Modell aussieht. Wie ist das Design, wie die Sohlenkonstruktion im Detail? Was hat sich zum Kobe VII verändert? Als Händler muss ich den Schuh quasi blind einkaufen und da kann es natürlich passieren, dass man Schrott einkauft. Das ist für mich und andere Einzelhändler eine untragbare Situation, da wir das wirtschaftliche Risiko tragen.

Darüber hinaus ist auch die technische Information des Herstellers teilweise miserabel. Das Verkaufspersonal bei Nike weiß teilweise gar nicht, welche Modelle Nike anbietet. Hierdurch kommt es manchmal auch zu Streiterein mit den Außendienstlern von Nike, wobei diese wiederum das Problem haben, dass sie von oben nicht die nötigen Informationen erhalten. Bei adidas ist das besser: Man bekommt alle Muster gezeigt. Allerdings hat man auch hier nicht die breite Basketballpalette, die adidas herstellt, zur Auswahl. Das ist ein unschönes Verhalten gegenüber dem Händler und letztenendes am Ende der Kette auch gegenüber dem Endverbraucher, da der Händler versucht, dem Endverbraucher das bestmögliche Produkt, dass zu ihm passt, anzubieten. Und die Möglichkeit wird dem Händler durch diese Intransparanz genommen. Woran das wirklich liegt? Das weiß ich leider bis heute noch nicht und das ist untragbar."

 

Zu guter Letzt 

Auch wenn von Berchem sich über die Intransparenz der Großhändler ärgert und die Konkurrenz aus dem Internet zu spüren bekommt, in seiner Nische fühlt er sich wohl und bis heute kommen noch immer Kinder mit ihren Eltern, Jugendliche und Erwachsene aus Bonn und Umgebung zu ihm, um für sich den perfekten Basketballschuh zu finden.

Im 2. Teil der Serie erklärt von Berchem im Interview, worauf der Verbraucher beim Kauf eines Basketballschuhs achten sollte, welche Unterschiede Marken hergeben und wieviel Geld man beim Kauf ausgeben sollte.  

 

Good Walking – Der Sportschuhladen

Geschäftsführer: Dirk Wolf von Berchem

Koblenzer Straße 26‐28 53173 Bonn – Bad Godesberg

Tel.: 0228 – 353010

 

Ramy Azrak

Rubriklistenbild: © Ramy Azrak

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