Basketball-Wissen

Schadet Krafttraining dem Wurf?

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Inwiefern Krafttaining dem Wurf im Basketball schaden kann erklärt Ramy Azrak

Basketball ist eine intensiv geführte und körperbetonte Sportart. Kraft- und Fitnesstraining sind wichtig, um die Sprungkraft und Explosivität zu trainieren.  In diesem Kontext wird mir häufig eine konkrete Frage gestellt, die ich heute thematisiere: Schadet Krafttraining dem Wurf?

Basketball ist eine intensiv geführte und körperbetonte Sportart. Kraft- und Fitnesstraining sind demnach wichtig, um die Sprungkraft und Explosivität zu trainieren, aber auch um eine notwendige Robustheit zu erlangen. Insbesondere Powerforwards und Center müssen viele Positionskämpfe während eines Spiels austragen und um jeden Zentimeter unter dem Korb hart arbeiten. In diesem Kontext wird mir häufig eine konkrete Frage gestellt, die ich heute thematisiere: Schadet Krafttraining dem Wurf?

 

Ermüdung im Krafttraining

Beim Krafttraining ermüdet nicht nur die Muskulatur, sondern auch das zentrale Nervensystem. Die sogenannten Alpha-Motoneuronen (Nervenzellen des Zentralen Nervensystems) steuern Muskelfasern an. Ermüden diese durch intensive Belastungen, so lässt die Kraft und Konzentration nach. Zwangsläufig wäre dann auch der Wurf direkt nach einem Krafttraining unpräziser. Doch wer von uns würde auf die Idee kommen, kurz vor einem Meisterschaftsspiel ins Fitnessstudio zu gehen und ein intensives Training durchzuführen? Niemand! Dennoch ist Krafttraining zweckmäßig und hat eine positive Wirkung auf den Mechanismus, aber eben nicht sofort.

 

Die biologische Adaption

Schaubild: Das Prinzip der Superkompensation

Die Auswirkung auf einen Trainingsreiz erfolgt durch das Phänomen der sogenannten „biologischen Adaption“. Als Sportwissenschaftler erkläre ich das immer gerne so: Wenn Du deinen linken Arm im gesunden Zustand sechs Wochen lang ruhig stellst und in einen Gips legst, wie wird dein Arm nach dieser Zeit aussehen? Dicker oder dünner als vorher? Fangfrage! Worauf ich hinaus möchte? Der Körper passt sich dem an, was du ihm aussetzt. Entscheidend ist allerdings, dass sich die strukturelle Anpassung in der Ruhephase vollzieht. Das Phänomen nennt man in der Fachsprache Superkompensation (siehe Schaubild). Durch einen Trainingsreiz ermüdet die Muskulatur. Mit dem Ablegen der Hantel beginnt die Regeneration (Erholung). Bei einer gewöhnlichen Kraftbelastung eines Basketballspielers, im Vergleich zu einem Kraftsportler oder Bodybuilder, ist die Regeneration i. d. R. bereits am nächsten Tag abgeschlossen und die Würfe dürften mit der gewohnten Genauigkeit ihr Ziel finden. (Alles über ergänzendes Krafttrainin: Strength Coaching: Trainingsgrundlagen)

 

Die neuronalen Netze

Viel wichtiger für die Beantwortung der Frage, ob der Wurf sich durch Krafttraining nachhaltig verschlechtert, liefert der Aspekt der „neuronalen Netze“. Beim Erlernen eines Wurfes werden über das Nervensystem Synapsen innerviert (angesteuert), die bestimmte brachliegende Muskelfasern rekrutieren. Durch das regelmäßige Trainieren von Bewegungsabläufen werden die Signale von Trainingseinheit zu Trainingseinheit immer „überschwelliger“ und das gesamte Bewegungsmuster wird neuronal mit der jeweiligen Signalstärke abgespeichert. Je häufiger man daher ein bestimmtes Muster trainiert, desto detaillierter kann es abgerufen werden. Dies ist übrigens auch der Grund, wieso Profi-Basketballer quasi täglich die Basics immer wieder trainieren und keineswegs vernachlässigen.

Daten aus dem Nervensystem, die durch die Trainingseinheiten gespeichert werden, z. B. Abstand zum Korb, Körperposition, usw., geben auch Auskunft über den Zustand der Muskulatur. Bei einem regelmäßigen Krafttraining ohne regelmäßiges Basketballspielen kann sich der Wurf durch das veränderte Kraftpotential deutlich verschlechtern. Du fragst dich wieso das so ist? Stell dir mal vor, du möchtest mit einem Basketball, der so leicht ist, wie ein Volleyball, einen Dreier werfen. Ich gehe jede Wette mit dir ein, dass du Schwierigkeiten haben wirst, annähernd an deine gewohnte Trefferquote heranzukommen.

 

Fazit

Wer demnach ein regelmäßiges Krafttraining durchführt und auch regelmäßig Basketball spielt, dem werden die Veränderungen des Kraftpotentials keinerlei Probleme bereiten, da die Daten des Nervensystems sich durch regelmäßiges Training an die veränderten Bedingungen anpassen. Du wirst ja auch mit Basketbällen verschiedener Marken mit kleinen Unterschieden (Material, Beschaffenheit, Grip, Gewicht, etc.), keinerlei Probleme haben und dich spätestens nach ein paar Würfen darauf eingestellt haben.

 

Ramy Azrak

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