Basketball-Playoffs

"Jede Entscheidung beeinflusst das Ergebnis"

Basketball-Profi Florian Koch von den Telekom Baskets Bonn spricht im Interview über seine Funktion als Rollenspieler, das Lesen und die Schwierigkeit, immer 100 Prozent zu geben.

trainingsworld.com: Holger Geschwindner ließ seinen Schützling Dirk Nowitzki bestimmte Bücher lesen und ein Musikinstrument lernen. Ist das aus deiner Sicht wichtig für die Psyche, um ruhiger und cooler zu werden oder ist das aus deiner Sicht Unfug? 

Florian Koch: Ich bin mir nicht sicher, worauf er abzielen wollte. Vielleicht um auch mal um vom Basketball abschalten zu sollen. Ich bin definitiv jemand, der sehr viel und hart arbeitet, in der Halle steht und auch viel Zeit im Kraftraum verbringt. Ich bin aber auch jemand, der sehr stark darauf achtet andere Dinge nicht zu vernachlässigen. Freunde sind mir sehr wichtig. Der soziale Aspekt ist für mich ein riesen Faktor und notwendig, um guten Basketball zu spielen. Wenn man nur in der Halle steht und jeden Tag trainiert, nie ein Pause einlegt und keine Zeit hat den Kopf frei von Basketball zu bekommen, dann kann man Dinge nicht mehr so gut umsetzen und ist gar nicht mehr so geil auf diesen Sport. Ich glaube Holger Geschwindners Ansatz ist nicht schlecht. Als Profisportler wird man in der Regel nicht zu sowas gezwungen. In meiner Ausbildung war es immer so, dass ich ins Büro gegangen bin und Dinge machen musste, die den Kopf beansprucht haben. Als Profisportler wird man in dieser Form dazu nicht gezwungen, d.h. man muss sich das selbst aussuchen, ob man sich hinsetzt und ein Buch liest oder sich weiterbildet. Ich selbst bin keine Leseratte, ganz im Gegenteil. Ich habe bis vor einem Jahr überhaupt nicht gelesen und mich entschieden etwas zu lesen was mich interessiert und mir zwei Bücher über Basketball besorgt, die ich interessiert gelesen habe. Das war eine gute Entscheidung und ich glaube, dass man auch mit Lesen oder anderen Dingen ein sehr gutes Mittelding zwischen Profisport und Freizeit finden kann.

trainingsworld.com: Kommen wir auf das Thema Motivation zu sprechen. Ein typischer Trainerspruch ist „Wir müssen in jedem Spiel 100 Prozent geben“. Wie kann man in den Playoffs noch motivierter sein, wenn man in den Saisonspielen schon alles gibt? 

Florian Koch: Man will natürlich immer 100 Prozent in jedem Spiel geben. Es kann aber immer mal vorkommen, dass man Spiele hat, in denen man nicht 100-prozentig gezwungen ist voll da zu sein und man sich vielleicht auch Fehler erlauben kann, ohne das es dem Team schaden wird. Der Unterschied zu einem „normalen“ Bundesligaspiel ist, dass man in den Playoffs da sein muss und jede Entscheidung, die man fällt das Team und das Ergebnis beeinflussen.

trainingsworld.com: In der Bundesliga erhältst Du im Durchschnitt etwa 5 Minuten Spielzeit. Als Role-Player lastet nicht die große Verantwortung auf deinen Schultern. Auf der anderen Seite musst Du in den wenigen Minuten auf dem Parkett direkt und auf den Punkt funktionieren. Hat ein Role-Player es aus deiner Sicht leichter oder schwerer? 

Florian Koch: Ich empfinde es schon als stressiger, weil ich im Hinterkopf habe, dass ich mir so gut wie keine Fehler erlauben darf. Auf der anderen Seite weiß ich auch, dass ich mich durch diesen Druck weiter verbessern kann und ich immer fokussiert auf dem Feld agiere. Role-Player hat seine Vor- und Nachteile. Ich glaube aber, dass wenn man konstant seine 25 Minuten Spielzeit bekommt, die Situation für mich als Spieler entspannter sein würde. Man hat zwar insgesamt mehr Verantwortung, auf der anderen Seite kann man sich jedoch auch mehr Fehler erlauben. In Rhöndorf war ich damals ein Spieler, der nicht direkt zu Beginn auf Hochtouren gefahren ist. Daran habe ich gearbeitet und es verbessert.

Hier geht es zu Teil 1 des Interviews "Es ist keine Zeit für Nervosität".

Rubriklistenbild: © trainingsworld.com - Ramy Azrak

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