Basketball

Basketball: „Kleine“ Regeländerungen und ihre Grundlagen

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Wie ist der neueste STand bei den Regeln des Baketballspiels? Ramy Azrak klärt sie auf.

Basketball hat sich in den letzten Jahren in Punkto Tempo und Athletik kontinuierlich weiterentwickelt. Regeländerungen sollen dieser Entwicklung Rechnung tragen und das Spiel noch attraktiver gestalten. Die wichtigsten Änderungen der jüngsten Vergangenheit und warum sie vorgenommen wurden.

Basketball-Experte Ramy Azrak erklärt Ihnen die kleinen Regeländerungen der letzten Jahre und bringt Sie auf den aktuellsten Stand.

 

NBA und FIBA

Die amerikanische Profiliga NBA (National Basketball Association) gilt unumstritten als die stärkste Basketball-Liga der Welt. Seit dem Jahr 2008 ist auch die FIBA (Federation Internationale de Basketball) mit den verschiedenen internationalen Profiligen (FIBA Europe, FIBA Asia, usw.) für eine weltweite Anpassung der Regeln. Man ist auf einem guten Wege dahin. Grundsätzlich gibt es bis heute jedoch noch einige unterschiedliche Regeln.

So darf beispielsweise in der NBA nicht in der Zone verteidigt werden, was in den FIBA-Ligen allerdings erlaubt ist. Die NBA hat zum Ziel, das Spiel so attraktiv wie möglich für den Zuschauer zu gestalten, dafür werden die Regeln so konzipiert, dass es zu vielen 1-gegen-1 Situationen kommt. Auch die Penetration zum Korb wird in der NBA durch die Aufhebung des Standbeins vor dem Dribbling vereinfacht. Diese Regel verschafft dem angreifenden Spieler einen deutlichen Vorteil gegenüber dem Verteidiger. Die FIBA wertet dies als Vergehen, das mit Ballverlust geahndet wird. Bei Olympischen Spielen gelten übrigens die offiziellen Regeln der FIBA, auf die sich NBA-Profis in der kurzen Sommer-Vorbereitung einstellen müssen.

Neben diesen beschriebenen Unterschieden gab es aber, im Laufe der letzten Jahrzehnte, auch eine Vielzahl von Anpassungen der FIBA an die NBA. So wurde beispielsweise im Jahr 2000 die Angriffszeit von 30 auf 24 Sekunden verringert, um das Spiel schneller zu machen. Die Kommerzialisierung - die US-Profiliga ist hierbei absoluter Vorreiter - hält aber auch seit langer Zeit Einzug in der FIBA. So wurden bereits in den 90er Jahren aus 2 Halbzeiten 4 Viertel, die aufgrund der vermehrten Pausen auch mehr Gelder durch Werbeeinnahmen generieren.

Heute gibt es in Deutschland einige Veränderungen in der Beko Basketball-Bundesliga (Playoff Basketball – Kopfsache oder Beinarbeit?), die eine Anpassung an europäische Normen bedeuten. In den Amateurligen ist die Situation etwas anders. „Es obliegt den nationalen Verbänden, diese Regeländerungen in ihren Strukturen bis ganz nach unten anzuwenden", sagte DBB-Präsident Ingo Weiss im Rahmen eines n-tv Interviews im Jahr 2008. (Quelle: n-tv.de)

 

Die wichtigsten Regeländerungen im Überblick

1. Neue Drei-Punkte-Linie

Die neue Drei-Punkte-Linie ist nach hinten verschoben worden. Sie verläuft in einem Kreisbogen mit einem Radius von 6,75 Meter zum Korb und nicht wie bisher in einem Radius von 6,25 Metern. In einer Übergangszeit wurden die neuen Linien in den Sporthallen bis zu Beginn dieser Saison 2011/2012 größtenteils umgesetzt. Durch diese Regel sollen innerhalb des 3-Punkte-Sektors mehr Räume für die angreifende Mannschaft entstehen, weil sich die Verteidigung, besonders bei Teams mit guten Distanzschützen, etwas entzerrt. Dadurch gibt es mehr Penetrationen zum Korb, die sich positiv auf die Attraktivität des Spiels auswirken.

 

2. Form der Zone und der „No-Charge-Kreis“

Die Zone ist nicht mehr trapezförmig, sondern rechteckig und die Fläche der Zone muss farbig angelegt sein. Die Zonen-Breite beträgt 4,90 Meter, die Zonen-Länge 5,80 Meter. Darüber hinaus wurde innerhalb der Zone ein neuer „No-Charge-Kreis" installiert, der in einem Radius von 1,25 Metern um den Korb den Angreifer schützt. Offensivfouls dürfen bei einem Körperkontakt in diesem Sektor nicht mehr gepfiffen werden, es sei denn der Angreifer setzt seine Hände, Arme, Beine oder den Körper regelwidrig ein. Diese Regel erscheint sinnvoll, da sich verteidigende Spieler im letzten Moment nicht mehr in den Weg des Angreifers „schmeißen“ und eine Standposition vorgaukeln können. Außerdem veranlasst diese Regel den verteidigenden Center dazu, nicht mehr direkt unter dem Korb zu „parken“.

 

3. Die 14-Sekunden-Regel

Die 24-Sekunden-Regel für einen Angriff ist etwas modifiziert worden. Wird das Spiel durch ein Foul unterbrochen oder aus Gründen für die nicht die ballkontrollierende Mannschaft verantwortlich ist, wird die Angriffszeit nur noch im Rückfeld auf 24 Sekunden zurückgesetzt, im Vorfeld nicht mehr. Bei verbleibenden 14 Sekunden oder mehr bleibt die bestehende Restzeit für den Angriff. Bei verbleibenden 13 Sekunden oder weniger wird die Zeit für einen Angriff auf 14 Sekunden zurückgesetzt. Diese Regel geht in die Richtung, das Basketballspiel noch schneller zu machen und die Attraktivität für den Zuschauer zu steigern.

 

4. Wechselnder Ballbesitz

Das Basketballspiel wird am Mittelkreis mit einem Sprungball begonnen. Bei allen anderen Situationen (Halteball; Beginn 2., 3. und 4. Viertel; Strafen gleicher Schwere, die sich aufheben; wenn der Ball in der Korbanlage eingeklemmt ist, bei Schiedsrichteruneinigkeit, usw.) kommt es zum „Wechselnden Ballbesitz“. Diese Regel bedeutet, dass das Spiel mit einem Einwurf anstelle eines Sprungballs fortgesetzt wird. In jeder Sprungballsituation erhalten die Mannschaften abwechselnd einen Einwurf von der Stelle, die der Sprungballsituation am nächsten liegt. Die Mannschaft, die den Ball durch die Regel „Wechselnder Ballbesitz“ erhält, wird durch den „Einwurfsanzeiger“ gekennzeichnet. Diese Regel wurde eingeführt, um die Spieldurchführung zu beschleunigen. Das Spiel kann durch einen Einwurf schneller fortgeführt werden, als durch einen Sprungball, bei dem sich die Spieler um den jeweiligen Kreis immer erst einfinden müssen.

 

Insgesamt erscheinen alle 4 neuen Regelungen bzw. Modifikationen im Basketball sinnvoll und gestalten das zweitschnellste Spiel der Welt noch attraktiver, als es bisher schon war.

 

Ramy Azrak

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