Interview mit Telekom Baskets Profi Jamel McLean, Teil 1

"Neben Talent und Skills braucht man auch die richtige Mentalität"

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Telekom Baskets Profi Jamel McLean im Interview mit trainingsworld

Im ersten Teil des Interviews erzählt Jamel McLean unserem Basketballexperten Ramy Azrak von seinen Erfahrungen mit den Unterschieden von amerikanischem College-Basketball und der Deutschen Bundesliga, von seinen Aufgaben als Power Forward und von seiner Haltung zu Michael Jordan.

Jamel McLean steht aktuell bei den Telekom Baskets Bonn in Deutschland unter Vertrag. Bis 2011 spielte McLean für die Xavier University in den USA und unterschrieb im Anschluss an seinen Abschluss einen Profivertrag bei den Leuven Bears in Belgien. In dieser Saison spielte der 25-jährige US-Amerikaner für den italienischen Zweitligisten Givova Scafati, doch bereits nach einigen Wochen wechselte McLean zurück nach Belgien und erhielt beim BC Ostende einen befristeten Vertrag bis zum Ende des Jahres 2012. Nach Ablauf seines Vertrags erhielt der US-Amerikaner keinen neuen Vertrag in Belgien und wechselte zu Beginn des Jahres 2013 zu den Telekom Baskets Bonn.  

 

trainingsworld: Jamel, als Power Forward arbeiten Sie viel unter dem Korb. Was ist die wichtigste Aufgabe für einen Power Forward?

Jamel McLean: In der Bundesliga gibt es 2 verschiedene Typen von Power Forwards. Es gibt den modernen Typen, der viel von draußen agiert und ein guter Mittel- und Ferndistanzschütze ist, und es gibt den traditionellen Power Forward, zu denen ich zweifellos gehöre. Der zweite Typ arbeitet nah am Brett, holt Rebounds und macht die Drecksarbeit in der Zone. Ich sehe mich was die Aufgaben betrifft im Gleichgewicht zwischen Position 4 und 5, korbnah agierend, weil meine Stärken in der Zone liegen und ich kein typischer Schütze bin. Im Allgemeinen hängt es aber immer davon ab, welche Art von Power Forward ein Team bzw. ein Trainer sucht.

 

trainingsworld: Sie haben an der Xavier University in den USA gespielt. Was sind Ihrer Meinung nach die wesentlichen Unterschiede zwischen College Basketball und der Bundesliga, vor allem aus der Sicht eines Power Forwards?

Jamel McLean: College unterscheidet sich von der Bundesliga aus meiner Erfahrung vor allem darin, dass die Spieler alle gleichaltrig sind. Auf dem College spielt man nur gegen junge Spieler mit der gleichen Reife und körperlichen Stärke. Wenn man dann in die NBA oder nach Europa geht, dann spielt man gegen ältere Jungs, die physisch stärker und erfahrener sind als man selber. Dies ist der größte und entscheidenste Unterschied, mehr als die Spielweise an sich.

 

trainingsworld: Blake Griffin war auch schon zu College-Zeiten ein Monster.

Jamel McLean: Ja, das ist wahr, aber es gibt nicht viele wie Blake Griffin, die bereits als Collegespieler solch eine physische Präsenz haben. Als Power Forward merke ich den Unterschied beim Spiel unter dem Korb zwischen Basketball auf dem College und in Europa.

 

„Du kannst Erfahrung nicht lehren“

trainingsworld: Wenn Sie morgen mit den Baskets gegen Ihr altes College-Team spielen würden, wer würde gewinnen?

Jamel McLean: Wir würden gegen mein altes College-Team gewinnen, weil wir über mehr Erfahrung verfügen. Es hat nichts mit meinem College an sich zu tun, es geht nur um Erfahrung. Man kann Erfahrung nicht lehren. Dies spielt eine große Rolle und am Ende entscheiden häufig Kleinigkeiten. Einige der Jungs sind erst 18 oder 19 Jahre alt und gerade erst aus der Schule raus.

 

trainingsworld: Glauben Sie, dass die Basketball-Fans lieber eine große Show mögen oder schätzen Fans harte Arbeit mehr?

Jamel McLean: Ich glaube, dass man das nicht pauschalisieren kann. Manche Leute kommen des Spiels wegen und wollen unterhalten werden, um mit Freunden und Arbeitskollegen darüber zu reden. Einige Leute mögen harte Arbeit, ein physisches Spiel und wollen die eigene Mannschaft kämpfen und gewinnen sehen. Ich denke, dies ist eine gute Balance, die den Spaß für uns Spieler bringt. Wir bieten den Fans nicht nur eine Show, sondern zeigen auch, dass wir hart arbeiten und es nicht alles nur Show ist.

 

trainingsworld: Gibt es einen Unterschied zwischen Fans in Europa und den USA?

Jamel McLean: Ich würde sagen, dass es sogar Unterschiede zwischen den Fans innerhalb Europas gibt. In meinem ersten Jahr in Belgien waren die Fans zwar voll dabei, aber nicht ganz so enthusiastisch wie hier in Deutschland. Ich denke der Basketball in Deutschland ist viel etablierter als in Belgien. Besonders unsere Fans hier in Bonn, der ganze Abschnitt, wenn sie aufstehen und jubeln, das ist wie auf dem College, wo wir einen Studenten-Abschnitt hatten. In Belgien hingegen ist der Basketball erst langsam im Kommen. Die Zuschauer gehen dort zum Spiel, um das Spiel zu genießen. Verstehen Sie mich nicht falsch, sie sind auch Fans, aber es ist nicht diese überschwängliche Atmosphäre wie hier.

 

trainingsworld: Kommen wir zum Thema „Athletik“: Wie definieren Sie den perfekten Athleten? Ist es nur die reine Masse und Kraft oder die Sprungfähigkeit die zählt?

Jamel McLean: Meiner Meinung nach ist es der gesamte Charakter eines Spielers, der einen Athleten ausmacht. Bereits bevor man das Parkett betritt geht es darum, was für ein Typman ist, ob man teamfähig ist oder nicht. In Profivereinen ist es üblich, dass jedes Jahr ein paar Spieler kommen und gehen. Aber einige Spieler erhalten keinen Vertrag, weil sie nicht coachbar sind, ihr eigenes Ding auf dem Platz durchziehen oder keine Teamplayer sein wollen. Als Profi muss man neben Talent und Skills auch die entsprechende Mentalität haben. Außerdem muss man physisch stark sein und seine Rolle im Team spielen. Man braucht keinen Shooting Guard spielen zu können, wenn man ein Power Forward ist. Was immer man tut, man sollte es so gut wie möglich tun und ein Vorbild sein, sowohl auf dem Platz als auch außerhalb davon.

 

Jordan im Alter von 50: „LeBron hätte keinen einfachen Abend“

trainingsworld: Wenn Sie Michael Jordan und Lebron James miteinander vergleichen, welchen Spieler würden Sie sich als Trainer wünschen?

Jamel McLean: Als Michael Jordan im Alter von 40 Jahren bei den Washington Wizzards seine Karriere beendete, hatte er noch einen Punktedurchschnitt von knapp über 20. Das Spiel hat sich weiterentwickelt, aber Jordan ist ein Ausnahmeathlet. Ich denke, im Alter von 50 kann sein Körper nicht mehr das leisten, was er noch mit 40 Jahren vollbrachte. Ich bin aber der Meinung, dass LeBron keinen einfachen Abend hätte. Jordans Wettbewerbsgeist ist einer der besten und macht ihn zu dem, was er ist.

Wenn ich zwischen Michael Jordan und LeBron James in ihrer jeweils besten Form einen Spieler für mein Team auswählen sollte, dann würde ich mich für Jordan entscheiden, weil er es schon allen bewiesen hat. James ist stark und ein phänomenaler Athlet, aber Jordan hat ein größeres Skillset. Bei Jordan weiß der Verteidiger nie, was er machen wird. Er ist fast nicht zu verteidigen. Letztendlich hat Michael Jordan 6 Ringe (Anm. d. Red.: Meisterschaften), LeBron James hat noch einen langen Weg vor sich, um das zu erreichen. (Lesen Sie dazu auch: Michael Jordan – Der Virtuose unter den Basketballern)

  

  

Ramy Azrak

 

Lesen Sie auch den 2. Teil dieses Artikels

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