Interview mit Telekom Baskets Profi Jamel McLean, Teil 2

„Es gibt immer etwas zu verbessern“

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Der professionelle Basketballspieler Jamel McLean im Interview

Im zweiten Teil des Interviews berichtet der professionelle Basketballspieler Jamel McLean von seinem Training bei den Telekom Baskets Bonn.

Lesen Sie hier Teil 1 des Interviews: Interview mit Telekom Baskets Profi Jamel McLean, Teil 1 "Neben Talent und Skills braucht man auch die richtige Mentalität"

  

trainingsworld: Was hat Sie dazu bewogen, zu den Telekom Baskets Bonn zu wechseln?

Jamel McLean: Mein Agent rief mich an und erzählte mir, dass Bonn einen neuen Power Forward suche (Anm. d. Red.: als Ersatz für Patrick Ewing Jr., mit dem aus sportlichen Gründen der Vertrag aufgelöst wurde). Er berichtete mir von sehr professionellen Strukturen im Verein. Das war für mich persönlich sehr wichtig, weil ich bereits in Italien auf der Suche nach einem neuen Verein war und es dort in Bezug auf Regeln und Disziplin alles etwas lockerer lief. Ich schätze diese Professionalität in Bonn sehr. Ich mag die tolle Atmosphäre und wir haben ein gutes Team.

 

trainingsworld: Wieso haben die Baskets sich für Sie entschieden?

Jamel McLean: Sie wussten, dass ich physisch sehr stark bin. Sie wollten unter den Brettern noch präsenter werden.

 

trainingsworld: Sie sind erst seit wenigen Monaten im Team. Wie war es für Sie, sich in ein neues Team mit einer anderen Philosophie und einem neuen System zu integrieren?

Jamel McLean: Am Anfang hat mich das einige Zeit gekostet, um die Team-Chemie zu verstehen. Das ist aber normal, wenn ein Team einen neuen Spieler integrieren muss. Ich musste mich aber natürlich reinhängen und die Systeme lernen. Sobald man seine Mitspieler und die Art, wie sie spielen besser, kennengelernt hat und sie auch verstehen, wie man selber spielt, kannst man erfolgreichen Basketball spielen.

 

McLean über Performance und Training

trainingsworld: Lassen Sie uns über Ihre Performance sprechen: Sie haben eine enorme Sprungkraft. Was tun Sie dafür?

Jamel McLean: Als ich jünger war und wir noch in Rotterdam gelebt haben, da gab es einen kleinen Kerl, der mir beigebracht hat, wie ich springen soll. Ich denke, in dieser Zeit habe ich die Muskel-Memory entwickelt. Während der Collegezeit habe ich die Sprungkraft, die ich in den jungen Jahren entwickelt habe, erhalten. Ich habe hauptsächlich an der Sprungtechnik gearbeitet. Man muss lernen, wie man die Explosivität entwickelt. Mein Beintraining half mir, meine explosive Fähigkeit bis zu dem Punkt weiterzuentwickeln, an dem ich diese Fähigkeit allein durch Basketballtraining und Spielen halten konnte.

 

trainingsworld: Was hat dieser kleine Kerl, den Sie erwähnt haben, Ihnen beigebracht?

Jamel McLean: Als ich etwa 8 Jahre alt war lies mich dieser Kerl laufen, stoppen, nach unten gehen, und so tun, als würde ich hochspringen, aber ich sollte nicht springen. Ich musste das immer10-mal hintereinander machen, aber ich bin dabei nie gesprungen. Nach etwa 2 Wochen, als ich dann endlich springen durfte, bin ich regelgerecht nach oben geschossen. Ich denke, dass diese Technik der richtige Schritt für mich war, um zu lernen, wie man in die Knie geht und springt.

Die Leute denken, dass sie kräftige Beine brauchen, aber entscheidend ist die Entwicklung der schnellen Muskelfasern (fast twitch fibers). Diese Übung ist vielleicht ungewöhnlich, aber hierdurch habe ich die Basis für meine Sprungkraft gesetzt. Letzten Endes ist ganz einfach: Je mehr man springt, desto mehr gewöhnt sich der Körper an das Springen.

 

trainingsworld: Machen Sie manchmal ein spezielles Workout mit Julian Morche (dem Athletiktrainer der Telekom Baskets Bonn)?

Jamel McLean: Während der Saison mache ich wenig Krafttraining für meine Beine, weil sie durch die hohe Belastung der vielen Spiele und Trainingseinheiten schwer werden. Das Bein- und Sprungkrafttraining ist Teil des Aufbautrainings in der Sommerpause, in der man nicht jede Woche spielt. In dieser Phase kann die Muskulatur erst einmal nach der langen Saison regenerieren und die Muskelkraft neu aufgebaut werden. Aktuell, kurz vor den Playoffs, halten wir das Niveau. Manchmal mache ich leichte Kniebeugen und Ausfallschritte. Spielen ist allgemein das beste Training. Das Laufen, Stoppen und Springen in der Wettkampfsituation verbessert die Fähigkeiten.

 

trainingsworld: Sie sind ein spektakulärer Shotblocker. Wie wird man ein guter Shotblocker? Und ist diese Fähigkeit eine Sache des Trainings ode eine natürliche Gabe?

Jamel McLean: Shotblocking hat hauptsächlich mit der Körpergröße und der Sprungkraft zu tun. Ich bin der Meinung, dass man das nicht wirklich trainieren kann. Man kann zwar das Timing verbessern, aber wenn man nicht groß ist und über keine gute Sprungkraft verfügt, dann wird es schwierig. Jonas (Jonas Wohlfarth-Bottermann) ist ein ausgezeichneter Shotblocker, denn er ist lang, springt gut und er hat außerdem ein gutes Timing. Er hat viel Talent. Du kannst nicht ins Fitness-Studio gehen und Shotblocking trainieren. Es ist eine natürliche Gabe, die man hat oder eben nicht.

 

trainingsworld: Wann immer Sie die Möglichkeit haben, einen Angriff per Dunking abzuschließen, lassen Sie es krachen. Ist das über das gesamte Spiel gesehen nicht extrem kraftraubend? Und warum dunkt man überhaupt? Um sich selbst zu motivieren, um den Gegner einzuschüchtern oder um die Zuschauer zu pushen?

Jamel McLean: Mit einem Dunk pusht man seine Mitspieler und auch die ganze Bank geht emotional mit. Die Zuschauer applaudieren und sind emotional voll dabei und das motiviert das gesamte Team. Der Effekt eines Dunkings gibt einem mehr Power. Im Laufe der Spielzeit wird man zwar zunehmend müder, aber mental möchtest man eine Aktion am Brett immer per Dunking abschließen. Andererseits sind 2 Punkte eben 2 Punkte. Als Spieler muss man lernen, dass man nicht immer dunken kann, egal, wie sehr man Blake Griffin sein will (lacht).

 

trainingsworld: Gibt es einen Aspekt in Ihrem Spiel, den Sie im Training verbessern möchten?

Jamel McLean: Ja klar, es gibt immer etwas zu verbessern. Ich arbeite eigentlich viel an meinem Sprungwurf. Es ist nicht so, dass ich nicht werfen kann, sondern dass ich seit langer Zeit so programmiert bin, zum Korb zu penetrieren, Kontakt zum Gegenspieler zu suchen und einfach physisch präsent bin. Während des Spiels mag ich es nicht, etwas zu machen, an dem ich arbeite. Ich mache mehr die Dinge, die ich kenne und beherrsche. Das Spiel ist nicht dafür geeignet, um an meiner neuen Sprungwurftechnik zu arbeiten, die ich mir im Sommer angeeignet habe. Nichtdestotrotz arbeite ich hart an der Implementierung des Sprungwurfs. Mein Ziel ist es, auch von draußen gefährlicher zu werden und dadurch für den Gegner unberechenbarer zu sein. Mein Stärke wird aber immer das physische Spiel unter dem Korb sein. Wenn man zum Korb geht und robust spielt, wird dein Gegner müde und man zieht Fouls.

 

trainingsworld: Jamel, wo sehen Sie sich in 5 Jahren? Ist das etwas, worüber Sie gerne nachdenken?

Jamel McLean: Ich bin jetzt 25, hoffentlich spiele ich mit 30 noch professionell Basketball. Ich sage ja immer, große Spieler machen es nicht so lang („big men don´t last as long“). Mein großes Ziel ist es, irgendwann wieder in den USA zu spielen, vielleicht sogar in der NBA. Vorher möchte ich aber in einem Euroleague-Team spielen und eine Meisterschaft gewinnen, nur für meine persönliche Zufriedenheit. Ich will gerne, dass die Leute sich nachhaltig an mich erinnern.

 

trainingsworld: Ich bedanke mich für das nette Gespräch.

 

Ramy Azrak

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