Interview mit Basketballprofi Patrick Ewing Jr.

„Ich absolviere ein volles Training vor jedem Spiel“

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Ramy Azrak im Interview mit Basketballprofi Patrick Ewing Jr.

Er hatte den wohl klangvollsten Namen aller Bundesligaspieler. Der Sohn der NBA-Legende und Center-Superstar Patrick Ewing von den New York Knicks, Patrick Ewing Jr., wechselte zu Saisonbeginn zu den Telekom Baskets Bonn. Ramy Azrak sprach mit ihm kurz vor seiner Vertragsauflösung am 22.Dezember

Zu mehr als 7 NBA-Einsätze für die New Orleans Hornets hat es für den 28-Jährigen nicht gereicht. Und auch in Europa ist der 2,03 Meter große Forward vorerst gescheitert. Baskets-Sport-Manager Andreas Boettcher erklärt auf der Baskets-Homepage: „Bei all seinen Qualitäten, insbesondere im offensiven Bereich, hat es mit Patrick am Ende einfach nicht mehr gepasst. Wir glauben, dass wir einen anderen Spielertypen brauchen.“

In seinem letzten Spiel für die Telekom Baskets Bonn, am 16. Dezember 2012, gegen die s.Oliver Baskets aus Würzburg 72:85 (20:23, 15:24, 17:17, 20:21), war der Amerikaner mit jamaikanischen Wurzeln zumindest im 1. Viertel der auffälligste Akteuer auf dem Feld und markierte 8 der 20 Bonner Punkte. Doch genauso wie seinen Teamkameraden fehlte auch Patrick Ewing Jr. danach der entscheidende Biss und so fiel auch seine Leistung trotz 10 gesammelter Rebounds stark ab.

Nach dem Spiel traf ich den sympathischen, aber enttäuschten Baskets-Spieler mit der Rückennummer 7 im Presseraum der Telekom Baskets Bonn zum Interview, um ihn über Training, Ernährung und mentale Stärke zu interviewen. Zu diesem Zeitpunkt ahnten weder er noch die Pressevertreter etwas von der Vertragsauflösung.

 

trainingsworld: Patrick, welchen Hauptunterschied bemerkst du zwischen deutschem und US-amerikanischem Basketball in den ersten 4 Monaten in Deutschland?

Patrick Ewing Jr.: Der Hauptunterschied, den ich bemerkt habe ist, dass das Spiel in den USA viel offener ist. In der NBA lässt die Verteidigung mehr Raum zu, um zum Korb zu ziehen, aber in der Zone wird es dann deutlich robuster. In Europa ist die Defense in der Regel sehr hart, aber in der NBA ist es deutlich physischer unter dem Korb.

 

trainingsworld: Hast du neue Erfahrungen in der 1. Basketball-Bundesliga gemacht?

Patrick Ewing Jr.: Nicht wirklich. Ich habe bereits für die jamaikanische Nationalmannschaft und FIBA-Turniere gespielt (Anmerk. der Red.: FIBA = Fédération Internationale de Basketball; Regelwerk unterscheidet sich teilweise von der NBA). Der Stil in Europa ist in der Regel nicht so viel anders als in der NBA. So, wie einige Teams in der NBA ihren eigenen Stil haben (z. B. run-and-gun Basketball), so spielen einige europäische Teams auch ihren eigenen Basketball-Stil.

 

trainingsworld: Und ist in der athletischen Performance ein Unterschied, den du erkannt hast?

Patrick Ewing Jr.: Ja und nein. Es gibt eine Menge Amerikaner hier in Deutschland. Du siehst hier eine ähnliche Art von Sportler, aber nicht Spieler wie LeBron James oder Joe Green, die absolute Topathleten sind. Auf dem Level spielt hier keiner, aber es gibt hier wirklich viele gute Basketballer in Europa. Der Unterschied ist zwar klein, aber in der NBA spielen einfach die besten.

 

trainingsworld: Du bist in guter Form. Führst du ein spezielles Training oder spezielle Übungen vor oder nach dem regulären Training durch?

Patrick Ewing Jr.: Ich komme an Spieltagen bis zu 2,5 oder sogar 3 Stunden vor allen anderen in die Halle und ziehe mein gewöhnliches Training durch, dass ich in den letzten 4 Jahren immer absolviert habe. Ich mache etwas Krafttraining und trainiere nach einem Programm, das mir mein ehemaliger Kraft-und Konditionstrainer Bill Burgos zusammengestellt hat, der jetzt der Kraft- und Konditionstrainer der New York Knicks ist. Krafttraining führe ich mindestens 2-mal pro Woche durch, so dass ich in bessere Form komme und meine Fitness auf hohem Level halten kann.

 

trainingsworld: Und so trainierst du auch an Spieltagen?

Patrick Ewing Jr.: Oh ja, ich muss das tun. In der Regel ziehe ich ein volles Programm durch, um richtig warm zu werden. Aber jetzt mache ich das aufgrund meines Alters nicht mehr so, damit kann ich ein komplettes Spiel absolvieren kann. Andere Spieler gehen normalerweise vor einem Spiel auf den Court und schießen, aber ich tue eine Menge anderer Dinge.

 

trainingsworld: Vor kurzem sah ich ein großartiges Video auf youtube, wo du eine fantastische Dunking Show zeigst. Was empfiehlst du jungen Teenagern, um ihre Sprungkraft zu verbessern?

Patrick Ewing Jr.: Das kann ich nicht wirklich sagen, da mein Sprungvermögen mir in die Wiege gelegt wurde. Es gibt nichts, was ich im Speziellen für meine Sprungkraft getan habe. Junge Kerle sollten kontinuierlich trainieren und dabei Dinge probieren wie Springen und versuchen, den Korb zu berühren. Vielleicht spielt das eine Rolle, um die Fähigkeiten zu verbessern. Ich war immer ein hibbeliges Kind, wahrscheinlich hat das bei mir ein große Rolle gespielt.

 

trainingsworld: Hast du spezielle Übungen von Julian (Interview mit Julian Morche, dem Athletiktrainer der Telekom Baskets Bonn)?

Patrick Ewing Jr.: Nicht wirklich. Ich mache mein eigenes Ding, weil ich mein spezielles Training schon seit 4 Jahren absolviere. Ich stärke meine Beinstrecker und Beinbeuger, um meine Beine fit zu halten. Ich hatte einige Knieverletzungen in der Vergangenheit, daher habe ich meine Übungen durchzuführen, damit nicht wieder etwas Schlimmes passiert.

 

trainingsworld: Hast du irgendwelche Ratschläge bezüglich Ernährung oder hälst du dich sogar an einen besonderen Ernährungplan?

Patrick Ewing Jr.: Oh ja, definitiv. In den letzten paar Jahren habe ich versucht, mein Gewicht zu halten, obwohl ich es nicht so geschafft habe, wie ich es wollte. Ich weiß, dass ich nicht mehr so viele Kalorien durch Trinken zu mir nehmen darf. Daher trinke ich viel Wasser und esse viel Gemüse und Früchte. Ich versuche auch, nicht nach einer bestimmten Zeit zu essen. Ich präferiere es außerdem, viele Mahlzeiten zu essen, anstatt nur 1-mal oder 2-mal, ohne zwischendurch zu Naschen, Nahrung aufzunehmen. Du solltest auf jeden Fall darauf achten, was du isst. Ich versuche auch, zu viele süße Sachen zu vermeiden.

 

trainingsworld: Von der Außenperspektive sieht es immer so aus, als wärst du sehr entspannt. Woher hast du diese mentale Coolness?

Patrick Ewing Jr.: Ich denke, es ist teilweise meine Zuversicht und vor allem mein Glaube an Gott und das Wissen, dass Gott Kontrolle über mein Schicksal hat. Es gibt viele Dinge, über die sich viele Menschen aufregen, aber ich sehe keinen Grund, mich über etwas aufzuregen, was ich nicht ändern kann, weil Dinge aus einem bestimmten Grund passieren und ich einfach weitermache. Eine Menge Leute denken, dass ich alles lässig nehme, aber ich sehe nichts, worüber ich mir Sorgen machen muss, weil ich mich nicht damit beschäftige, etwas zu ändern, was sowieso passieren wird. Du solltest einfach immer glücklich sein. Für mich persönlich gilt: Ich versuche immer die gleiche Zuversicht zu bewahren.

 

trainingsworld: Vor 2 Jahren hast du 7-mal für die New Orleans Hornets in der NBA gespielt. Was sind ihre Ziele mit der Telekom Baskets Bonn und deine persönlichen Ziele in Bezug auf deine Basketball-Karriere?

Patrick Ewing Jr.: Momentan sind meine Ziele, unserem Team zu helfen, eine Kehrtwende zu schaffen. Im Moment spielen wir nicht grade großartigen Basketball. Unsere Verteidigung ist schlecht. Ich habe mich mit dem Trainer hingesetzt und persönlich über Dinge geredet, die ich tun muss, um besser zu verteidigen und die unserem Team helfen können, damit sich unsere Krise nicht weiter verschärft. Mein persönliches Ziele ist es, jeden Tag besser zu werden. Ich will einfach nur der beste Spieler sein, der ich sein kann und eine konstante Leistung bringen. Die letzten paar Jahre war ich kein konstanter Spieler.

 

trainingsworld: Gibt es irgendwelche spezifischen Dinge, an denen du mit deinem Coach und auch alleine arbeitest?

Patrick Ewing Jr.: Ich habe viele Würfe in der Sporthalle genommen. Als die Saison gestartet ist, war ich nicht mit meinem Sprungwurf während der Vorbereitung zufrieden. Daher schieße ich zur Zeit viel und versuche, 20 Würfe in Folge zu treffen. Meine Trefferquote ist zwar gestiegen, dennoch bin ich noch nicht ganz mit der Qualität meines Wurfes zufrieden. Ich arbeite auch viel an meiner Verteidigung, versuche meinen Gegenspieler vor mir zu halten oder meine Teamkollegen zu unterstützen, wenn sie in Schwierigkeiten sind. Ich arbeite in jeder Hinsicht an meinem Spiel, da ich wirklich jeden Tag besser werden möchte. Ich will einfach nur der beste Spieler sein, der ich sein kann.

 

trainingsworld: Larry Johnson brachte dir einen Floater-Haken-Wurf-Mix bei, als du ein Kind warst. Was ist das Wichtigste, was dir dein Vater mit auf den Weg gegeben hat?

Patrick Ewing Jr.: Mein Vater hat mich immer gelehrt, zuversichtlich zu bleiben. Das ist wahrscheinlich das Wichtigste, das er jedem raten würde. Jeder von uns durchläuft Höhen und Tiefen. Glaube immer an dich, deine Fähigkeiten und an deine Teamkollegen. Das ist sehr wichtig, weil das Spiel vor allem mental ist. Basketball ist auch ein physisches Spiel, aber es ist definitiv mehr ein mentales als körperliches Spiel. Daher musst du immer an mentale Grenzen gehen und Zuversicht hilft dir dabei, diese Grenzen zu erreichen.

 

Ramy Azrak

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