1. Bundesliga

Interview: Basketballprofi Jonas Wohlfarth-Bottermann (Telekom Baskets Bonn)

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Seit der Saison 2011/2012 spielt Jonas Wohlfahrt-Bottermann bei den Telekom Baskets Bonn.

Unser Basketball-Experte Ramy Azrak war am Sonntag beim Spiel der Telekom Baskets Bonn gegen die Artland Dragons (67:78) im Telekom Dome und hat nach dem Spiel ein Interview mit dem enttäuschten Baskets Youngstar Jonas Wohlfarth-Bottermann geführt, der nur 03:32 Minuten auf dem Parkett stand.

Jonas Wohlfarth-Bottermann ist seit der Saison 2011/2012 Kadermitglied bei den Telekom Baskets Bonn. In seiner ersten Saison bei den Baskets wurde der 22-Jährige bei mehr als der Hälfte der Spiele eingesetzt, stand durchschnittlich 5:44 Minuten auf dem Spielfeld und erzielte dabei 2,04 Punkte pro Spiel. In dieser kommenden Saison möchte Wohlfarth-Bottermann sich in der Bundesliga etablieren. Im Interview mit Trainingsworld-Experte Ramy Azrak spricht der Center über den Unterschied zwischen der 1. und 2. Bundesliga, worin er besser wäre, wenn er früher mit Basketball angefangen hätte, ein Sonderlob vom ehemaligen NBA-Profi Detlef Schrempf und gibt jungen Spielern Tipps, wie sie den Sprung ins Basketball-Business schaffen können. (Mehr zur Bundesliga hier: Basketball: Vier B´s im Bundesliga-Check)

 

Trainingsworld: Jonas, in der 2. Bundesliga Nord hast Du in der Saison 2010/2011 im Durchschnitt 25:47 Minuten gespielt und 12,8 Punkte erzielt. Wo liegen die Hauptfaktoren, wieso sich junge deutsche Talente in der 1. Bundesliga so schwer tun?

 

Jonas Wohlfarth-Bottermann: Grundsätzlich sollte man sich erst einmal behaupten und eine Situation finden, in der man spielt. Wenn man dann die Chance bekommt, dann sollte man beweisen können, dass die Nominierung gerechtfertigt ist. Als junger deutscher Spieler muss man sich auch erst mal mit einer kleinen Rolle zufrieden geben, auch wenn man vielleicht der Spieler war, von dem in der 2. Bundesliga vieles abgehangen hat. Es besteht natürlich auch ein großer Unterschied zwischen der 1. und 2. Bundesliga.

 

Trainingsworld: Was ist Deiner Meinung nach der große Unterschied zwischen der 1. und 2. Bundesliga?

 

Jonas Wohlfarth-Bottermann: Im Prinzip alles. Das Spiel ist generell schneller, alle Spieler sind besser und athletischer. In der 1. Bundesliga muss man schneller handeln und hat nicht so viel Zeit zu Überlegen. Es ist eine große Umgewöhnung und dauert seine Zeit.

 

Trainingsworld: Meine Recherche hat ergeben, dass Du erst mit 15 Jahren mit Basketball angefangen hast. Denkst Du Dir manchmal, dass Du heute viel weiter wärst, wenn Du bereits ein paar Jahre früher mit dem Basketball angefangen hättest?

 

Jonas Wohlfarth-Bottermann: Ja das ist richtig, in dem Alter habe ich mich im Verein angemeldet. Vorher habe ich nur in der Schul AG und in meiner Freizeit gespielt. Ob ich heute besser wäre, ist immer schwer zu sagen, weil es so nicht passiert ist. Grundsätzlich hätte es mir aber bestimmt geholfen. Ich denke da besonders an das Spielgefühl und Ballhandling. Es ist so gekommen, wie es ist und daraus versuche ich, das Beste zu machen.

 

Trainingsworld: Detlef Schrempf, ehemaliger NBA-Star, sprach Dir vor einigen Jahren nach einem Camp in Mannheim ein Sonderlob aus: Von allen deutschen Spielern des U18-Teams, die er in Mannheim gesehen habe, seiest Du der mit dem größten NBA-Potenzial. Motivieren solche Aussagen oder setzten sie einen jungen Spieler eher unnötig unter Druck?

 

Jonas Wohlfarth-Bottermann: Das ist jetzt schon relativ lange her. Zu der Zeit war ich 18 Jahre alt und habe meine ersten Erfahrungen mit der Nationalmannschaft gesammelt. Damals hat mich das nicht wirklich unter Druck gesetzt, weil ich selber wusste, dass ich noch nicht lange spiele. So ein Kompliment weiß man natürlich zu schätzen, vor allem, wenn es von so einem bedeutenden Spieler wie es Detlef Schrempf ist, kommt, aber grundsätzlich habe ich mir darüber nicht zu viele Gedanken gemacht, sondern mich darauf fokussiert, meine nächsten Ziele zu erreichen. Ich wollte damals nochmal in die Nationalmannschaft kommen und mit der U19-NBBL möglichst weit kommen.

 

Trainingsworld: Im täglichen Training hast Du die Möglichkeit, vom 38-jährigen Center-Routinier Chris Ensminger zu lernen. Wie wichtig ist das für deine Entwicklung?

 

Jonas Wohlfarth-Bottermann: Es ist natürlich gut, wenn man einen so erfahrenen Spieler vor einem in der Position spielen sieht. Ich denke aber, dass Chris und ich vom Typ her unterschiedliche Spieler sind. Er macht Dinge anders, die er in meinem Alter gemacht hat und ich mache Dinge anders, die Chris in meinem Alter gemacht hat. Trotzdem kann man von solch einem erfahrenen Spieler immer etwas lernen und sich weiterentwickeln.

 

Trainingsworld: Abschließend möchte ich Dich gern fragen, was Du jungen Spielern mit auf den Weg geben würdest, die den Sprung in das Profi-Business schaffen wollen?

 

Jonas Wohlfarth-Bottermann: Ich denke mal, wenn man wirklich ein professioneller Spieler werden will, dann muss man sich selbst realistisch einschätzen können und wissen, was man erreichen kann. Es bringt ja nichts, wenn man in der Regionalliga keine gute Rolle spielt und unbedingt Profi-Basketballer werden will. Man muss einfach ehrlich zu sich sein und natürlich an sich glauben, aber dann auch wissen, wo man dran ist. Wenn man talentiert ist, dann gehört harte Arbeit natürlich auch dazu, und das ist das Allerwichtigste. Zusätzlich muss man sich durch alle Situationen, die auf einen zukommen, durchkämpfen und nie aufgeben.

 

Trainingsworld: Ich bedanke mich für das nette Gespräch

 

Das Interview führte Ramy Azrak.

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