7 Fragen an Biathlon-Olympiasiegerin Andrea Henkel

"In den Staffeln haben wir sehr große Chancen, eine Medaille zu gewinnen"

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Will eine weitere Olympiamedaille gewinnen, Andrea Henkel.

Die zweifache Biathlon-Olympiasiegerin und 8-fache Weltmeisterin Andrea Henkel spricht im Interview über Ihre Ziele für die Olympischen Spiele in Sotschi, wie sich die Trainingsplanung in der Olympiasaison ändert und warum Sie keine Zeit für Ausgleichssport hat.

trainingsworld.com: Welche Chancen rechnen Sie sich für den Wettkampf bei den Olympischen Spielen aus? In wem sehen Sie Ihre größten Konkurrenten?

Andrea Henkel: Wir haben 6 verschiedene Wettkämpfe. Einen „Sprint“, den„Verfolgungswettkampf“, den „Einzel“ und den „Massenstart“ in denen jeder selber um Medaillen kämpft sowie die „Staffel“ und die „Mixstaffel“ in denen wir als Team an den Start gehen. In den Staffeln haben wir sehr gute Chancen, aber auch in den Einzelrennen bin ich nicht ganz chancenlos, eine Medaille gewinnen zu können. Die Konkurrenz aus Norwegen, Weißrussland, Finnland, Ukraine, der Tschechischen Republik usw. ist sehr groß, was es nicht einfach, aber auch sehr spannend macht.

trainingsworld.com: Wie unterscheidet sich die Trainingsplanung in einem Olympia-Winter von einer normalen Wettkampfsaison? Wie periodisieren Sie Ihre Vorbereitung?

Andrea Henkel: Der größte Unterschied ist evtl., dass das Training etwas mehr sportartspezifisch gestaltet wird als in den anderen Jahren. Ich habe zum Beispiel mehr Kilometer auf Ski, dafür aber weniger auf dem Rennrad als das Jahr zuvor. Die Periodisierung ändert sich aber sonst nicht. Im Frühjahr werden die Grundlagen durch viele Stunden im Grundlagenausdauerbereich gelegt, sowie die allgemeine Kraft im Kraftraum aufgebaut. Im Sommer kommen höhere Intensitäten und mehr spezifisches Training dazu und ab Herbst suchen wir mehr und mehr den Schnee. In der Wintersaison bleibt zwischen den Wettkämpfen nicht viel Zeit für Trainingsphasen. In diesen wenigen Phasen achten wir aber auf die Grundlagenausdauer, die allgemeine und die spezifische Kraft.

"Im Dezember machen wir noch viele Umfänge"

trainingsworld.com:Unsere Sportler interessiert natürlich besonders wie eine exemplarische Trainingswoche in der Vorbereitung aussieht.

Andrea Henkel: Ich würde diese Erklärung sehr allgemein halten wollen, da die Wochen doch sehr unterschiedlich gestaltet werden. Wir trainieren in der Regel zwei Mal täglich mit eingeschobenen Ruhetagen oder halben Ruhetagen. Dazu kommen verschiedene kleinere Einheiten, wie z.B. Trockentraining mit der Waffe (ohne scharfe Schüsse). Zum Beispiel kann es sein, dass wir drei oder vier Tage trainieren und dann einen Ruhetag haben und dieses Programm über drei Wochen mit verschiedenen Inhalten und Intensitäten durchführen. Dann gibt es Phasen in denen trainieren wir 2,5 Tage, machen einen Nachmittag Pause, trainieren weitere 2,5 bis drei Tage und haben dann einen Tag frei...

trainingsworld.com: Worauf legen Sie in den letzten Wochen der Wettkampfvorbereitung besonderen Wert? Rücken bestimmte Aspekte noch einmal in den Mittelpunkt?

Andrea Henkel: Das kommt ganz darauf an, welche Wettkämpfe bevor stehen. Vor den Dezemberwettkämpfen steht noch viel Umfang auf dem Programm, vor den Wettkämpfen der Olympischen Spiele gestalten wir das Training so, dass wir möglichst spritzig, frisch und in Form an den Start gehen. Im Mittelpunkt stehen dann die Inhalte, an denen man persönlich noch arbeiten möchte. Der eine mehr an der Kraft und ein anderer mehr an der Schnelligkeit...

"Wenn ich Energie für Ausgleichsport hätte, mache ich was falsch"

trainingsworld.com: Führen Sie bestimmte regenerative Einheiten oder Ausgleichssport durch, um ggf Verletzungsrisiken zu minimieren?

Andrea Henkel:Wenn ich die Energie für zusätzlichen Ausgleichssport hätte, hätte ich im Training etwas falsch gemacht. Unser Training ist allerdings auch sehr vielseitig vor allem im Frühjahr und Sommer, so dass man auf bestimmte Vorlieben in verschiedenen Einheiten Rücksicht nehmen kann, wenn jemand z.B. lieber Mountainbike fährt als Rennrad oder noch lieber laufen geht. Ich denke, wenn man sehr vielseitig trainiert ist, verringert das auch das Verletzungsrisiko, was natürlich nie gegen null gehen wird.

trainingsworld.com: Worauf achten Sie generell bei der Ernährung während des Trainings und des Wettkampfes? Haben Sie mit Blick auf den Wettkampf noch einen gesonderten Ernährungsplan?

Andrea Henkel:Die Speicher sollten nie richtig leer sein und wenn, dann ist es wichtig diese schnell wieder aufzufüllen, um die Regeneration und damit die nächste Trainingseinheit zu generieren. Abhängig von der Länge und den Inhalten im Training und vor allem in den Wettkampfblöcken habe ich mein System bei der Zusatzernährung. Ich habe keinen Ernährungsplan, weil das schwierig wäre diesen in verschiedenen Hotels umzusetzen. Ich halte mich aber an die Grundsätze gesund und Nährstoffreich. In meinen Trinkflaschen sind viele Kohlenhydrate für vor und während der Belastung sowie Proteine und Kohlenhydrate zum auffüllen der Speicher nach der Belastung. Damit bin ich nicht so sehr von dem Hotelessen abhängig.

trainingsworld.com: Wie entscheidend ist im Wettkampf und in der Wettkampfvorbereitung die Psyche bzw. das Wohlfühlen? Welche Techniken haben Sie, um sich bei einem „Motivationsloch“ zu motivieren?

Andrea Henkel: Die Psyche und das Wohlfühlen finde ich in allen Bereichen des Lebens wichtig. Natürlich kann es auch vor dem Wettkampf mal vorkommen weniger motiviert zu sein, aber sobald man am Start steht ist dieses evt. aufgetretene „Motivationslöchlein“ von ganz alleine weg und man möchte so gut sein wie nur möglich.

 

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