Doping

Doping mit dem Wachstumshormon hGH

+
Das Wachstumshormon hGH wird oft als Doping missbraucht - doch was kann es und kann man seine Freisetzung im Körper auch ohne Doping erreichen?

Das Wachstumshormon hGH wird im Sport oft alsDopingmittel eingesetzte. Dabei können Athleten spezielle Trainingsprogramme und Ernährungsstrategien umsetzen, um die natürliche Ausschüttung des hGHs zu optimieren, um so dessen Vorteile zu genießen ohne die Nachteile zu haben.

Drogen im Sport sind immer noch weit verbreitet, ungeachtet der damit verbundenen Risiken für Gesundheit, Karriere und Ruf. Ihr Gebrauch wird durch künstlich herbeigeführte chemische (“Designer“-) Veränderungen, die es zunehmend schwieriger machen, sie zu entdecken, sogar noch gesteigert.

Eine Gruppe von Drogen mit leistungsfördernder Wirkung, die nach wie vor schwer nachzuweisen sind, sind die Peptidhormone. Dazu zählen EPO, IGF-1 und hGH.
Bei den olympischen Spielen 1992 in Barcelona hieß es in einem damals veröffentlichten Presseartikel, dass eine leere Wachstumshormon-Ampulle in einem Umkleideraum gefunden worden sei. Das fachte jede Menge Spekulationen darüber an, wie weit verbreitet diese Form des Drogenmissbrauchs wohl sei. (Lesen Sie dazu auch: Doping – Individueller Betrug oder Systemzwang?)

Vielleicht ist es wirklich so, dass das gentechnisch hergestellte menschliche Wachstumshormon (hGH - Human Growth Hormon, auch Somatropin) das bevorzugte Dopingmittel bei einer Reihe von Sportarten ist: vom Sprinten und anderen auf Explosivkraft angelegten sportlichen Aktivitäten bis hin zur Ausdauerleistung. Eine Menge Anstrengungen sind unternommen worden, um Mittel und Wege zu finden, wie man jene erwischt, die Doping betreiben. Aber sogar nach 8 Jahren der finanziellen Unterstützung scheint es, als sei man immer noch genauso weit davon entfernt, einen verlässlichen Test zu erfinden, wie eh und je.

 

Förderung der natürlichen Freisetzung des menschlichen Wachstumshormons (hGH)

Was jedoch viele Athleten und Trainer nicht begriffen haben, ist, dass Athleten spezielle Trainingsprogramme und Ernährungsstrategien umsetzen können, um die natürliche Ausschüttung des menschlichen Wachstumshormons (HGH) zu optimieren. Damit bewirken sie genau jene Trainingsanpassungen, die andere durch Betrug versuchen zu erreichen.
Das menschliche Wachstumshormon wird im vorderen Teil der Hirnanhangdrüse produziert. Dies ist ein erbsengroßes Organ, das an der Hirnbasis liegt und nicht weniger als 9 verschiedene Hormone bildet. Zusammen regulieren diese Hormone eine Reihe wesentlicher physiologischer Funktionen, darunter Wasser- und Energiehaushalt, Fortpflanzung und die Arbeit vieler anderer Drüsen im Körper.
Wie der Name schon sagt, ist das Wachstumshormon hGH hauptsächlich mit der Wachstumsfunktion in Verbindung gebracht worden. Jahrhundertelang glaubten Forscher, das hGH nach der Pubertät keine Rolle mehr bei der Entwicklung oder bei irgendeiner anderen Aufgabe spiele. Seit kurzem gibt es aber Anhaltspunkte dafür, dass das hGH an vielen physiologischen Prozessen das ganze Leben lang beteiligt ist. Dazu zählen die Umwandlung von Muskeln, Knochen und Kollagen, die Regulierung des Fettstoffwechsels und die Erhaltung einer gesünderen Körperzusammensetzung in fortgeschrittenem Alter.

Erst vor kurzem hat man entdeckt, dass einige Erwachsene einen Wachstumshormonmangel (STH-Mangel) haben. Das hat erneut ein Licht auf die Aufgabe dieses geschäftigen kleinen Hormons geworfen. Menschen mit STH-Mangel haben relativ wenig Muskelmasse und viel Körperfett, was sie zu Übergewicht neigen lässt. Diese Menschen weisen auch ein erhöhtes Herzerkrankungs-Risiko und eine deutlich verminderte Belastungsfähigkeit auf. Eine Behandlung dieses Zustands erfordert für gewöhnlich regelmäßiges Spritzen des Wachstumshormons.

Im Allgemeinen folgt die Ausschüttung von hGH einem zirkadianem Rhythmus: 6 – 12 einzelne Impulse pro Tag. Der größte Impuls wird ungefähr 1 Stunde nach dem Beginn des Nachtschlafs (um Mitternacht bei den meisten Menschen) abgegeben. Die Freisetzung und Hemmung von hGH wird gesteuert von 2 Hypothalamushormonen: Wachstumshormonfreisetzendes Hormon (GHRH) und Somatostatin (Gegenspieler des Wachstumshormons Somatropin). Die Wachstumshormonausschüttung kann von einer Reihe von natürlichen Stimuli ausgelöst werden, von denen die stärksten Schlaf und Training sind.

Dass Training als ein Hauptstimulus für die natürliche Absonderung von hGH fungiert, ist bekannt. Aber es gibt bisher noch wenig Anhaltspunkte, die darauf hindeuten, wie dies wohl passiert. Verschiedene Forscher haben angenommen, sie könnte ausgelöst werden durch einen durch Training bewirkten erhöhten Adrenalin-, Stickstoffmonoxid- und Blutlaktatwert, einer Steigerung der Azidität oder Nervenaktivität, entweder einzeln oder zusammen.

Heutzutage zweifelt kaum jemand daran, dass die Optimierung der Freisetzung von hGH Sportlern Vorteile bringt, ohne irgendwelche der vielen Risiken eingehen zu müssen, die mit Hormonmissbrauch verbunden sind (wie Gelenkschmerzen, Arthritis, anormales Herzwachstum, Muskelschwäche, erhöhte Blutfette, beeinträchtigte Glukoseregulierung, Diabetes, Impotenz und natürlich die strafrechtlichen Konsequenzen).

Ernährung, Bewegung und Schlafmuster spielen alle eine Rolle bei der Freisetzung von hGH. Da an einem normalen Tag die größte Ausschüttungswelle von hGH gewöhnlich ungefähr 1 Stunde nach dem Beginn des Nachtschlafs einsetzt, ist es ungemein wichtig für Athleten, dass sie viel davon bekommen. Wenn die Schlafqualität ungenügend ist, wird weniger vom menschlichen Wachstumshormon (hGH) ausgeschüttet - mit negativen Folgen für Gesundheit und Fitness. Zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine gute Schlafqualität und eine optimale Ausschüttung von hGH während des Schlafes gehören ein dunkles Zimmer und eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Protein.(1) Natürlich brauchen Sie eine angemessene Schlafdauer für eine insgesamt gute Gesundheit, und für die meisten Menschen heißt das: um die 8 Stunden Schlaf.

Was die Ernährung angeht, sind Athleten normalerweise gut beraten sicherzustellen, dass sie viele Kohlenhydrate aufnehmen. Das bedeutet in der Regel, Nahrung mit einem höheren glykämischen Index (d.h. eher zuckerhaltige Nahrung) direkt nach dem Training zu sich zu nehmen und die eher stärkehaltigen Formen der Kohlenhydrate zu den meisten anderen Zeiten. Was die Flüssigkeitszufuhr angeht, ist die Standard-Empfehlung, vor, während und nach dem Training Kohlenhydrat-Elektrolytische (Sport-)Getränke zu sich zu nehmen.

Kohlenhydratreiche Ernährung mag in vielen Situation angemessen sein, da aber Hyperglykämie (erhöhtes Blutkohlenhydrat) gewöhnlich die Ausschüttung von hGH unterbindet, ist diese Strategie möglicherweise dort nicht geeignet, wo optimale Anpassung Priorität hat. Man hat festgestellt, dass auch vor dem Training eingenommene Fette die Ausschüttung von hGH vermindern.(2)

Es spricht eigentlich nichts dagegen, an den Tagen vor einem Wettkampf direkt nach dem Training Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Dann nämlich ist es wichtig dafür zu sorgen, dass die Kohlenhydratspeicher in den Muskeln vollständig gefüllt sind. Allerdings ist dies nicht die beste Strategie, die Freisetzung von hGH nach dem Training aufrechtzuerhalten, besonders wenn die Kohlenhydrate einen hohen glykämischen Index haben. Denn diese (zuckerhaltigen) Nahrungsmittel stimulieren die Insulinausschüttung, welche ihrerseits zu einer Verminderung von hGH beiträgt.(3)

Es ist auch wichtig, reichlich Wasser während des Trainings zu trinken. Es ist bekannt, dass Dehydratation die durch das Training ausgelöste Reaktion des menschlichen Wachstumshormons erheblich abschwächt.(4)

Was die zusätzliche Einnahme von Präparaten vor dem Training angeht, weiß man, dass die Aufnahme von 1,5 g Arginin die Ausschüttung von hGH steigert, indem es die Freisetzung des hGH-Hemmers Somatostatin blockiert. In einigen Studien wird allerdings behauptet, dies verursache Magenstörungen.(5) 2 g Glutamin führen hingegen ohne jede Nebenwirkungen zu einer Erhöhung von hGH nach 90 Minuten.(6) Es könnte auch sinnvoll sein, einige Aminosäuren nach dem Training aufzunehmen. Es ist nämlich nachgewiesen worden, dass sich auch dadurch die Freisetzung von hGH verbessert.(7)

 

Wie ist es nun beim Training?

Die Forschung hat gezeigt, dass Sie wenigstens 10 Minuten mit einer Intensität, bei der Sie die Laktatschwelle überschreiten, trainieren müssen, um eine Erhöhung von hGH über den Basiswert hinaus zu erreichen.(8) Dies führt zur größten Menge an ausgeschüttetem hGH als Folge einer einzelnen Trainingsrunde. Der Hormonspiegel sinkt allmählich im Laufe einer Stunde. Man weiß auch, dass mehrfache tägliche Trainingseinheiten eine optimale Freisetzung von hGH über einen Zeitraum von 24 Stunden veranlassen können.

Eine Studie untersuchte die Auswirkungen von 3 Trainingseinheiten pro Tag mit entweder 1,5- oder 3-stündigen Regenerationsphasen dazwischen. Dabei fand man heraus, dass die längeren Erholungen die größte Freisetzung von menschlichem Wachstumshormon binnen 24 Stunden nach sich zogen.(9) Eine andere Studie zeigte eine in der Spitze noch größere Ausschüttung von hGH als Folge von Radsprints.(10)

Angesichts der oben erwähnten Forschung und gegenwärtigen Empfehlungen für Ernährung und Bewegung, wäre es vielleicht eine gute Idee über eine „Periodisierung“ der Ernährung nachzudenken, ähnlich wie beim Training. Während der Trainingsphasen, in denen wir versuchen Muskelmasse zu erhöhen, Körperfett zu minimieren und die Anpassungsreaktion an das Training zu maximieren, schiene es folgerichtig, einen hGH-verbessernden Ansatz zu verfolgen: wieder hin zu einer kohlenhydratreichen Ernährung vor und während des Wettkampfs.

 

Trainings- und Ernährungsstrategien

Mal zusammengefasst: Training über der Laktatschwelle bewirkt die Ausschüttung von hGH und fördert die Fettverbrennung. Das spart wiederum Muskel-Kohlenhydrat, hält das Körperfett niedrig, die Muskelmasse hoch und erhöht die Anpassung an spezielle Trainingsreize. Die Vorteile liegen auf der Hand, aber einfach zu hochintensivem Training das ganze Jahr lang überzugehen, ist auch nicht die Lösung. Voran kommen Sie eher mit einem periodisierten Programm, bei dem die Anzahl der Sprints oder der Trainingseinheiten höherer Intensität sich verändert, abhängig vom wettkampfnahen Trainingsprogramm.

Im Folgenden ein Vorschlag für eine Bewegungs- und Ernährungsstrategie, mit der Sie die Ausschüttung von hGH optimieren.

 

 

Quellenangaben:

1. Growth hormone and IGF Research 8 (Anhang B): 127 – 9, 1998

2. Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism, 76 (6): 1418 – 22, 1993

3. Metabolism 48 (9): 1152 – 6

4. European Journal of Endicrinology, 45 (4): 445 –50, 2001

5. American Journal of Physiology; Regulative and Integrative Comparative Physiology, 279 (4)

6. American Journal of Clinical Nutrition, 61: 1058 – 1061, 1995

7. Medicine and Science in Sports and Exercise, 31 (12): 1748 – 54, 1999

8. Journal of Endocrinology and Metabolism, 75: 157 – 162, 1992

9. Journal of Applied Physiology, 83 (5): 1756 – 1761, 1997

10. European Journal of Applied Physiology, 72: 460 – 467, 1996
 

Auch interessant

Kommentare